Nokia kann doch noch Geld verdienen

Donnerstag, 24. Januar 2013, 13:50 Uhr
 

Helsinki (Reuters) - Die harten Einschnitte zahlen sich für Nokia langsam aus.

Nach dem Abbau von 16.500 Stellen im Vergleich zum Vorjahr, dem Verkauf der Firmenzentrale in Finnland und der Markteinführung der neuen Lumia-Smartphones mit Windows-Software von Microsoft ist der Handy-Pionier im Schlussquartal 2012 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Unter dem Strich standen 255 Millionen Euro Gewinn. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einem Verlust von 1,08 Milliarden Euro gegeben. Um die Barmittel zu erhöhen, kündigte der Konzern am Donnerstag an, für 2012 keine Dividende zu zahlen. Damit gehen Anleger erstmals seit 1989 leer aus. Zuletzt waren 20 Cent je Aktie ausgeschüttet worden.

Nach anfänglichen Gewinnen gab die Nokia-Aktie knapp fünf Prozent nach. Die gute Bewertung der neuen Lumia-Modelle und positive Nachrichten vom Netzwerkbauer Nokia Siemens Networks hatten dem Kurs in den vergangenen drei Monaten ein Plus von 70 Prozent beschert.

APPLE UND SAMSUNG DOMINIEREN

Die Finnen kämpfen zusammen mit Microsoft gegen die schier übermächtige Konkurrenz aus Südkorea und den USA in Form von Samsung und Apple. Diese spielen auch nach der Einführung der Lumia-Modelle 820 und 920 in einer anderen Liga. Während Apple im Weihnachtsgeschäft 47,8 Millionen iPhones absetzte und Samsung sogar auf 61,4 Millionen Smartphones kam, waren es bei Nokia nur 6,6 Millionen Smartphones, davon 4,4 Millionen Lumia-Modelle.

Vor allem in China und Europa, wo die Konkurrenz zuletzt auftrumpfte, musste der ehemalige Branchenprimus Einbrüche verkraften. Lediglich in Nordamerika ging es trotz zwischenzeitlicher Lieferengpässe deutlich bergauf. Beeindruckend ist immer noch die Zahl der abgesetzten Handys - dank Nokias traditionell starker Stellung im Geschäft mit günstigeren Handys ohne Alleskönner-Funktionen. Nokia lieferte 79,6 Millionen Geräte aus.

Der Konzernumsatz fiel trotzdem zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 8,04 Milliarden Euro. In der Handysparte war der Erlöseinbruch mit 36 Prozent sogar noch höher.

Hoffnungszeichen kommen unterdessen vom einstigen Sorgenkind Nokia Siemens Networks. Der Umsatz stieg hier um fünf Prozent auf knapp vier Milliarden Euro, der Betriebsgewinn sogar auf 251 Millionen Euro von zuvor 67 Millionen. Diese Trendwende veranlasste Analysten bereits zu Spekulationen über einen Börsengang. Nokia-Chef Stephen Elop sagte dazu nur, dass alle Optionen weiterhin auf dem Tisch lägen.

Zugleich hält er am Sparkurs fest, für Nokia wie auch das Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens, das bis Jahresende mehr als eine Milliarde Euro einsparen soll. Zuletzt hatte Nokia vor allem beim Personal den Rotstift angesetzt und die Mitarbeiterzahl auf 33.200 reduziert.

 
Illustration picture shows Nokia logo on used cell phone, in Zurich, April 30, 2012. REUTERS/Christian Hartmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS TELECOMS)