Kahlschlag bei Commerzbank - Bis zu 6000 Stellen weg

Donnerstag, 24. Januar 2013, 14:39 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Bei der Commerzbank ist jeder achte Arbeitsplatz in akuter Gefahr.

4000 bis 6000 der zuletzt 49.000 Vollzeitstellen will Personalchef Ulrich Sieber in den nächsten vier Jahren streichen. Ein Großteil davon soll im Filialgeschäft, in dem die Bank seit Jahren kaum Gewinne schreibt, wegfallen. Die Gewerkschaft Verdi und der Gesamtbetriebsrat, die nach monatelanger Ungewissheit in die Pläne eingeweiht wurden, sprachen am Donnerstag von einem "Kahlschlag". Sie kündigten Widerstand gegen das Streichkonzert an. "Dieser Frontalangriff auf die Arbeitsbedingungen ist mit dem Ziel, gute Bankdienstleistungen vor allem im Kundengeschäft zu bieten, nicht vereinbar", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch. Laut Verdi will die Bank das Personal allein im Inland im Kerngeschäft um 15 Prozent kürzen - das sind 4600 Stellen.

"Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig", begründete Sieber die Sparpläne in einer Reuters vorliegenden Mitteilung im Intranet der Bank. Die Pläne sind Teil eines milliardenschweren Sparprogramms, das Vorstandschef Martin Blessing im November angekündigt hatte. Damit sollen zwei Milliarden Euro etwa für Investitionen in Technik übrigbleiben.

Vor allem das Privatkundengeschäft deutscher Banken steht seit Jahren unter Druck. Die Konkurrenz mit Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken ist groß, und die Kunden legen ihr Geld seit der Finanzkrise lieber sicher in Tagesgeld an statt für die Banken lukrative Aktienfonds und andere Kapitalmarktprodukte zu kaufen. Und im Kreditgeschäft lässt sich angesichts dauerhaft niedriger Zinsen wenig Geld verdienen. "Da bleibt den Banken nur noch, die Kosten unter Kontrolle zu halten", sagte Bridget Gandy von der Ratingagentur Fitch.

Am Mittwoch war durchgesickert, dass die HypoVereinsbank bis Ende kommenden Jahres bis zu 1000 Arbeitsplätze streichen und rund 45 Filialen schließen will. Der Versicherungsriese Allianz macht seine Allianz Bank mit 600.000 Kunden zur Jahresmitte ganz dicht. Sie hat seit 2009 netto 400 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Die Hoffnungen, Bankprodukte über die Versicherungsvertreter zu verkaufen, waren rasch zerstoben. Vor allem in Oldenburg und Frankfurt fallen 450 Stellen weg.

VERDI FORDERT VERZICHT AUF KÜNDIGUNGEN

Der größte Umbau steht den Kunden und Mitarbeitern der Commerzbank in den Filialen bevor. Dort gebe es "deutliche Überkapazitäten", sagte Sieber. Verdi erklärte, im Privatkundengeschäft sei nach Ansicht des Vorstands 30 Prozent zu viel Personal an Bord. Von 3400 gefährdeten Stellen in der Sparte sollten kurzfristig 1800 abgebaut werden. "Der Rest wird vom geplanten Wachstum abhängig gemacht." Die Commerzbank will ihre 1200 Filialen in vier verschiedene Typen gliedern, je nach den Anforderungen der Kunden. Die Filialen sollen länger öffnen, die Mitarbeiter zwischen den Zweigstellen wechseln und teilweise im Schichtbetrieb arbeiten. Zugleich will die Bank laut Verdi die Gehälter im Schnitt um einige hundert Euro im Monat drücken. Privatkunden-Chef Martin Zielke hatte bereits signalisiert, je mehr die Arbeitnehmervertreter der Bank dabei entgegenkämen, desto geringer könne der Abbau ausfallen.

Kündigungen seien aber "immer das letzte Mittel", betonte Bereichsvorstand Albert Reicherzer. Verdi-Vorstand Mensch forderte, den noch bis Ende dieses Jahres bestehenden Schutz vor Kündigungen bis 2016 auszudehnen. Analyst Guido Hoymann von Metzler Securities ist zuversichtlich, dass das Institut ohne Kündigungswelle auskommt. "Das ist kein sonderlich ambitioniertes Ziel. Bis 2016 ist eine relativ lange Zeit." Im Schnitt gingen ohnehin drei Prozent der Belegschaft im Jahr freiwillig.

"EIN HORRORKATALOG"   Fortsetzung...

 
The logo of Germany's Commerzbank is pictured at a branch in Dortmund January 24, 2013. Commerzbank, Germany's second-biggest lender, plans to cut up to 12 percent of staff by 2016 in a bid to slash costs and revamp its ailing retail Business. The bank said on Thursday, it would cut 4,000-6,000 full-time positions, with the exact figure to be negotiated with labour representatives in talks starting February. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT LOGO)