Zweifel an Apple mehren sich - Nokia spielt wieder mit

Donnerstag, 24. Januar 2013, 15:25 Uhr
 

San Francisco/Helsinki (Reuters) - Rekordverkäufe beim iPhone und iPad, aber keine neuen Kassenschlager in Sicht: Zukunftssorgen überschatten bei Apple die Bilanz und machen die Anleger an der Börse zunehmend nervös.

Das wertvollste Technologieunternehmen der Welt verfehlte im Weihnachtsquartal erneut die hohen Erwartungen. Zum dritten Mal in Folge fiel der Umsatz der Kalifornier - trotz eines neuen Bestwerts von 54,5 Milliarden Dollar - geringer aus als von Analysten prognostiziert. Die Konkurrenz wird zudem immer stärker, neben Samsung und Google erwacht der Handy-Pionier Nokia wieder zum Leben. Die Finnen fanden im Weihnachtsgeschäft dank einer guten Nachfrage nach ihren neuen Lumia-Smartphones und massiver Einsparungen zurück in die schwarzen Zahlen.

Die Apple-Zahlen werfen Fragen auf, ob es Tim Cook, Nachfolger des legendären Firmengründers Steve Jobs, gelingen wird, die anspruchsvollen Fans des Unternehmens bei Laune zu halten. Nach iPhone und iPad, die die Standards für alle anderen Smartphones und Tablets setzten, fehlt eine bahnbrechende Produktneuheit. Apple-Aktien stürzten trotz 47,8 Millionen verkaufter iPhones ab. In Frankfurt ging es am Donnerstag mehr als acht Prozent nach unten. Im Sog gaben auch Anteilsscheine von Lieferanten wie Dialog Semiconductor nach. Ebenfalls auf der Verkaufsliste standen Nokia-Papiere, die nach einer fast dreimonatigen Rally rund fünf Prozent einbrachen.

NOKIA STREICHT ANLEGERN DIVIDENDE

Wegen des teuren Konzernumbaus wollen die Finnen ihre Barmittel stärken und zahlen erstmals seit 1989 keine Dividende. Die letzte Ausschüttung in Höhe von 20 Cent je Aktie kostete Nokia 750 Millionen Euro. Nach den Einsparungen, zu denen der Abbau von 16.500 Stellen und der Verkauf der Firmenzentrale beitrug, sowie der Markteinführung neuer Lumia-Modelle mit Windows-8-Software, schrieb Nokia im vierten Quartal 2012 einen Gewinn von 255 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einem Verlust von 1,08 Milliarden Euro gegeben. Die Barmittel betrugen zu Jahresende 4,4 Milliarden Euro.

Nokia muss dringend im Wettbewerb mit iPhones und Galaxy-Smartphones punkten und setzt dabei auf eine Kooperation mit Microsoft. Zugunsten von Windows wird nun das eigene Betriebssystem Symbian abgewickelt. Der Zugewinn von Marktanteilen ist schwer, schließlich haben die Finnen den Amerikanern und Südkoreanern den lukrativen Smartphone-Markt lange Zeit fast kampflos überlassen und sich lieber auf das traditionelle Handygeschäft konzentriert.

Apple und Samsung haben ihren Vorsprung auch im Schlussquartal ausgebaut, auf 47,8 Millionen iPhones und erwartete 61,4 Millionen Samsung-Smartphones. Nokia kam nur auf 6,6 Millionen Smartphones, davon 4,4 Millionen Lumia-Modelle. Im Vergleich zum vierten Quartal 2011, in dem 19,6 Millionen Nokia-Geräte verkauft wurden, ist dies ein heftiger Rückgang. "Es ist zu früh zu sagen, ob sie es wirklich geschafft haben", sagte Alandsbanken-Analyst Lars Soderfjell mit Blick auf Nokia. Die Lumia-Modelle 820 und 920 müssen nach Einschätzung von Experten Nokia erst einmal zu einem richtigen Erfolg werden, um das Überleben des einstigen Branchenprimus zu sichern.

EXTREM HOHE ERWARTUNGEN AN APPLE

Apple zahlt derweil der scharfen Konkurrenz durch die Galaxy-Smartphones und -Tablets von Samsung Tribut, die mit der Google-Betriebssoftware Android arbeiten. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende Dezember 2012) setzten die Amerikaner 29 Prozent mehr iPhones ab. Auf dem wichtigen chinesischen Markt verdoppelten sich die Verkäufe sogar. Analysten hatten aber mit einem Absatz von rund 50 Millionen Stück gerechnet.

Obwohl Experten vor allem in Indien und Brasilien weiterhin mit starkem Wachstum rechnen, gehen einige davon aus, dass die Industriestaaten bei den Smartphone-Verkäufen bereits kurz vor dem Zenit stehen. Zudem stiegen bei Apple zuletzt auch die Produktionskosten, dies drückte die Bruttomarge auf 38,6 von 44,7 Prozent und hielt bei einem Umsatzplus von 18 Prozent den Gewinn mit 13,07 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau.

Das iPhone steuert rund die Hälfte zum Umsatz bei. Der Rest kommt von den iPads, deren Verkäufe auf 22,9 Millionen stiegen, und den iPods und Mac-Rechnern, von denen weniger über die Ladentische wanderten. Firmenchef Cook gab in einer Telefonkonferenz zu, dass die iPad-Verkäufe teilweise zu Lasten der margenstärkeren Mac-Rechner gehen. Zugleich bekannte er, dass Lieferengpässe den iPhone- und iPad-Absatz belastet hätten.

 
The Apple logo is pictured at the company's flagship retail store in San Francisco, California January 23, 2013. Apple results are due after market closes around worries about the profit potential in the tech sector, increased amid questions about waning demand for Apple Inc products and a weak outlook from Intel Corp last week. REUTERS/Robert Galbraith (UNITED STATES - Tags: BUSINESS LOGO)