IG Bau fordert 6,6 Prozent mehr Lohn für Baubeschäftigte

Donnerstag, 24. Januar 2013, 17:47 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die IG Bau will in der kommenden Tarifrunde 6,6 Prozent mehr Lohn für die rund 750.000 Beschäftigten am Bau erreichen.

Damit setzt sich Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt an die Spitze der bisher ausgegeben Lohnforderungen. Andere Gewerkschaften verlangten für die Tarifrunde 2013 bisher zwischen 5,0 Prozent - in der Holz- und Kunststoffindustrie - bis 6,5 Prozent im öffentlichen Dienst. "Die Bauwirtschaft läuft recht gut, die Kollegen haben hohe Erwartungen. Sie fordern Geld in die Tasche", sagte IG-Bau-Vize Dietmar Schäfers am Donnerstag in Frankfurt. Die Laufzeit der neuen Tarifverträge soll zwölf Monate betragen. Die Arbeitgeber wiesen die Forderung umgehend als überzogen zurück. Die alten Tarifverträge am Bau laufen am 31. März aus.

Die Gewerkschaft will darüber hinaus erreichen, dass die Löhne im Osten stufenweise an das Westniveau angepasst werden und die Mindestlöhne deutlich steigen. Sie begründete ihre Forderung unter anderem mit den Preissteigerungen für Produkte des täglichen Lebens. "Die Beschäftigten brauchen hierfür einen vernünftigen Ausgleich, damit sie von ihrem Lohn auch leben können", sagte Schäfers. Außerdem müsse die Steigerung der Arbeitsproduktivität der Bauleute gerecht bewertet werden. Diese Leistung werde zu wenig geschätzt. Zudem sei der Bau ein Stabilitätsanker für die deutsche Konjunktur. Denn während die Gesamtwirtschaft nach Berechnungen der Bundesregierung 2013 nur um 0,4 Prozent wachsen werde, rechne die Baubranche mit einem Umsatzplus von nominal zwei Prozent.

ARBEITGEBER BEKLAGEN SCHWACHE ERTRÄGE

Die Arbeitgeber warfen der IG Bau vor, die Lohnforderung gehe offenbar auf die gute Baukonjunktur des Jahres 2011 zurück. Damals hatten Konjunkturpakete und ein Boom im Wohnungsbau für 12,5 Prozent mehr Umsatz gesorgt. Im abgelaufenen Jahr gab es nach Arbeitgeber-Daten hingegen nur ein mageres Plus von einem Prozent. "Die Gewerkschaft hat nicht berücksichtigt, dass sich Verteilungsspielräume nicht aus Umsätzen, sondern allein aus den Erträgen der Betriebe ergeben, die unverändert niedrig sind", sagte Frank Dupre, Vize-Präsident des Branchenverbands ZDB. Denn steigende Kosten etwa beim Material ließen sich am Markt nicht angemessen weiterreichen. "Insbesondere sehen wir keinen Nachholbedarf", sagte Dupre, der für die Arbeitgeber die Tarifverhandlungen führen wird. Das tarifliche Jahreseinkommen der Facharbeiter sei allein in den vergangenen zehn Jahren um 6.500 Euro oder über 20 Prozent gestiegen.

Die Verhandlungen sollen nun am 20. Februar in Wiesbaden beginnen. "Ich bin wild entschlossen, dass wir auch ein Ergebnis hinkriegen, ohne einen Schlichter bemühen zu müssen", sagte IG-Bau-Vize Schäfers. In der Tarifrunde 2011 war ein Abschluss nur durch den Schlichterspruch des ehemaligen Bundeswirtschafts- und Arbeitsministers Wolfgang Clement zustande gekommen. Der Vertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten sah damals für die Baubeschäftigten im Westen im ersten Jahr eine Erhöhung um 3,0 Prozent vor. Für das zweite Jahr folgten 2,3 Prozent, zudem ein Zuschuss von 0,3 Prozent für die Alterssicherung. Im Osten stiegen die Entgelte am Bau um 3,4 Prozent im ersten Schritt, in einem zweiten folgten dann 2,9 Prozent.

Bei Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief waren in Deutschland zum 31. Dezember 3962 an den Bautarif gebundene Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt waren es in Deutschland zum Stichtag 10.108 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigte Hochtief über 81.000 Menschen. Der Mannheimer Konkurrent Bilfinger ist ebenfalls international aufgestellt und kann sich auch dank seines Dienstleistergeschäfts von der globalen Konjunktur und der Schwäche in der Euro-Zone weitgehend abkoppeln. "Wir gehen nach wie vor von einer positiven Unternehmensentwicklung aus, da gibt es nichts zu korrigieren", sagte Bilfinger-Chef Roland Koch jüngst im Reuters-Interview.