Samsung tritt trotz Rekordgewinn auf die Bremse

Freitag, 25. Januar 2013, 12:22 Uhr
 

Seoul (Reuters) - Der südkoreanische Elektronikriese Samsung lässt trotz eines Rekordgewinns Vorsicht walten und hält die Hand auf seiner Kasse.

Erst zum zweiten Mal in acht Jahren hebt der Apple-Konkurrent seine Investitionen nicht an. Samsung begründete sein Vorgehen für 2013 mit der wahrscheinlichen Verlangsamung des Wachstums auf dem wichtigen Smartphone-Markt, einer schwächelnden Chip-Nachfrage und dem seit elf Jahren erstmals rückläufigen PC-Markt. Zudem wird Apple wohl weniger Mikroprozessoren bei Samsung für seine iPhones und iPads einkaufen. Die Amerikaner verfehlten zuletzt trotz mehrerer Rekordwerte die extrem hohen Analystenerwartungen und schürten am Kapitalmarkt Sorgen, nach einer langen Erfolgsserie ihren Zenit erreicht zu haben.

Samsung ist seinerseits für eine aggressive Investitionsstrategie bekannt, die bisher von stetigen Steigerungen geprägt war. Im abgelaufenen Jahr gab der Konzern die Rekordsumme von 17,5 Milliarden Euro aus. Dabei soll es auch 2013 bleiben. Analysten hatten allerdings mit einer Kürzung um vier bis 20 Prozent gerechnet. Samsung-Manager Robert Yi sagte: "In Investitionsfragen ist für uns 2013 Flexibilität das Schlüsselwort." Für die Samsung-Aktie ging es am Freitag bergab. Sie schloss mit einem Minus von 2,5 Prozent.

Die Asiaten haben in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Aufstieg hingelegt, selbst die Kult-Marke Apple hinter sich gelassen und sind zum weltgrößten Smartphone-Anbieter geworden. Der Bereich, zu dem auch das Tablet- und Kamera-Geschäft gehören, trug mit einer Verdoppelung des Betriebsgewinns auf 5,44 Billionen Won (3,8 Milliarden Euro) im vierten Quartal 62 Prozent zum Konzernergebnis bei.

Operativ verdiente die Samsung-Gruppe im Weihnachtsgeschäft 6,2 Milliarden Euro, ein Plus von fast 90 Prozent. Dies lag im Rahmen der Markterwartungen. Unter dem Strich blieben 4,94 Milliarden Euro übrig. Für Samsung, die auf die Google-Betriebssoftware Android zurückgreifen, war dies ein Rekord. Er lag jedoch deutlich unter den knapp 10 Milliarden Euro, auf die Apple kam.

SMARTPHONE-ABSATZ - 700.000 STÜCK PRO TAG

Die Samsung-Bilanz liefert traditionell wenig Einblick in einzelne Segmente. So veröffentlicht der Konzern mit weltweit rund 227.000 Mitarbeitern keine Zahlen zu den Smartphone-Verkäufen. Schätzungen des Marktforschers Strategy Analytics zufolge wurden im abgelaufenen Vierteljahr rund 63 Millionen Smartphones abgesetzt - pro Tag etwa 700.000 Geräte. Dadurch dürfte der Marktanteil auf 29 Prozent zugelegt haben. Auch dies wäre ein Rekord. Zum Vergleich: Apple setzte im vergangenen Quartal 47,8 Millionen iPhones ab. Der Marktanteil liegt bei rund 19 Prozent.

Es gibt mittlerweile aber Anzeichen, dass sich das Wachstum auf dem hart umkämpften Markt mit den mobilen Alleskönnern abschwächt. Samsung erwartet dies zum Beispiel im ersten Quartal im Vergleich mit dem Weihnachtsgeschäft. Für 2013 rechnet das Unternehmen nur noch mit einem Absatzplus im hohen einstelligen Prozentbereich. Laut Strategy Analytics gingen weltweit im vergangenen Jahr etwa 700 Millionen Smartphones über die Ladentische und damit 42,7 Prozent mehr als 2011.

Samsung tanzt weiterhin auf vielen Hochzeiten. Der Konzern stellt neben Mobiltelefonen unter anderem Kameras, Fernseher, Halbleiter, Waschmaschinen und Kühlschränke her. In vielen Feldern - wie eben bei Smartphones und Chips - geben sie mit ihren Innovationen den Takt vor. Zuletzt sorgte Samsung auf der Verbraucherelektronikmesse CES in Las Vegas für Schlagzeilen. Vorgestellt wurde ein Prototyp-Handy mit einem fast vollständig faltbaren Bildschirm und ein neuer, besonders leistungsfähiger Mikrochip. Experten hoffen nun, dass diese bereits in der neuen Galaxy-Reihe zum Einsatz kommen.

 
Samsung Electronics' Galaxy tablet computers are displayed at a store in Seoul January 24, 2013. Samsung Electronics Co turned cautious on spending for the first time since the global financial crisis, keeping its annual investment plan unchanged at 2012 levels, as demand for computer chips wanes and the smartphone market slows. Samsung had poured money into factories to boost production of chips and panels used in Apple products and its Galaxy range devices, pushing its operating profit to 8.84 trillion won ($8.27 billion) in the last quarter. Picture taken January 24, 2013. REUTERS/Kim Hong-Ji (SOUTH KOREA - Tags: BUSINESS SCIENCE TECHNOLOGY TELECOMS)