Deutsche Firmen haben 2013 wieder Zuversicht im Gepäck

Freitag, 25. Januar 2013, 17:21 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft ist fulminant ins Jahr gestartet und schiebt Rezessionsängste beiseite.

Die Stimmung in den Chefetagen ist im Januar schon wieder so gut wie zuletzt Mitte 2012, die Schwächephase von Ende vorigen Jahres fast wieder vergessen. Der Ifo-Geschäftsklima-Index kletterte überraschend deutlich um 1,8 auf 104,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte. Damit stieg das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur zum dritten Mal in Folge und signalisiert einer Faustregel zufolge eine Wende zum Besseren. "Die deutsche Wirtschaft startet hoffnungsvoll ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

"DER OPTIMISMUS KEHRT ZURÜCK"

Damit mehren sich die Hinweise, dass die Wirtschaft zu Jahresbeginn wieder wächst. Im vierten Quartal 2012 war sie mit 0,5 Prozent erstmals seit einem Jahr geschrumpft - und so stark eingebrochen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Die Münchener Forscher erwarten für das laufende Quartal 0,2 Prozent Wachstum. "Damit ist keine Rezession absehbar", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zu Reuters.

Hauptgrund für die bessere Stimmung der 7000 befragten Top-Manager sind steigende Erwartungen an das künftige Geschäft. Deutlich bergauf geht es in der Industrie, die zuletzt eine schwächere Auslandsnachfrage spürte. "Der Optimismus kehrt zurück", sagte Sinn. Die Firmen würden ihre Maschinen und Geräte nach drei Rückgängen in Folge wieder stärker auslasten. Auch bei den Dienstleistern und in der Baubranche ging es bergauf. Im Groß- und Einzelhandel hatten dagegen Pessimisten Zulauf. Unterm Strich kletterte das Barometer für die Erwartungen das vierte Mal in Folge und stärker als erwartet - um 2,5 auf 100,5 Punkte. Ihre Lage schätzten die Betriebe ebenfalls besser ein, dieser Index stieg um 0,9 auf 108,0 Zähler.

HOFFNUNGSTRÄGER INVESTITIONEN

Die Firmen richten ihren Blick nun nach vorn. "Die Unternehmen haben 2012 abgehakt", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Die Weltwirtschaft erholt sich, die Planungsunsicherheit lässt nach." Zugleich steige der Konsum dank guter Beschäftigung und höherer Reallöhne. Im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt wieder zulegen - einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge um 0,2 Prozent. Fachleute hoffen, dass die Unternehmen ihre Zurückhaltung aufgeben und mehr für Maschinen und Anlagen ausgeben. "Mit dem Abebben der Krise sollten sich die Investitionen in den kommenden Quartalen deutlich erholen", sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer.

Nach Einschätzung von Bundesbank und Bundesregierung dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr aber mit 0,4 Prozent insgesamt nur wenig wachsen, nach 0,7 Prozent 2012. Die Postbank schätzt jedoch, dass die Konjunktur besser laufen könnte als noch vor kurzem erwartet, wie ihr Chefvolkswirt Marco Bargel sagte: "Deutschland dürfte dabei abermals eine Rolle als konjunkturelles Zugpferd in der Eurozone einnehmen."

Für das Währungsgebiet sieht EZB-Präsident Mario Draghi erste Anzeichen der Besserung. "Wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung der Wirtschaft", sagte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Anlass für zu viel Optimismus gebe es aber nicht: "Wir sind leider in einer Situation, in der wir zwar positive Ansteckungseffekte an den Finanzmärkten und bei Finanzkennzahlen haben, aber wir sehen noch nicht, dass das auch auf die Realwirtschaft ausstrahlt."   Fortsetzung...

 
People walk past the construction site of the Potsdam City Palace in Potsdam November 4, 2012. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: CITYSPACE POLITICS SOCIETY)