EZB sammelt von Banken 137 Milliarden Euro ein

Freitag, 25. Januar 2013, 17:20 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Europas Banken lösen sich schneller als gedacht vom Tropf der Europäischen Zentralbank.

Mit der angekündigten vorzeitigen Rückzahlung von 137 Milliarden Euro, die sie sich Ende 2011 billig von der EZB besorgt hatten, setzen 278 Institute ein deutliches Zeichen dafür, dass die Schuldenkrise in Europa sich zumindest teilweise beruhigt hat. Sie nutzen kommende Woche die erstbeste Gelegenheit, gut ein Viertel der halben Billion Euro wieder zurückzugeben, die ihnen die Notenbank in der Krise geliehen hatte. Damit wollte sie die Institute flüssig halten und die Kreditversorgung nicht ins Stocken geraten lassen.

Unter den Vorreitern ist die verstaatlichte Deutsche Pfandbriefbank (pbb), die Nachfolgerin des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate. "Wir planen eine schrittweise Rückführung des Tenders und haben die erste Möglichkeit für eine Teilrückführung genutzt", sagte ein Sprecher am Freitag. Die pbb hatte sich bei dem ersten Refinanzierungsgeschäft im Dezember 2011 mit zwei Milliarden Euro eingedeckt, im Februar 2012 mit weiteren zwei Milliarden. Doch sie braucht inzwischen weniger Geld, um ihe Neugeschäft zu finanzieren.

Die Commerzbank wollte sich am Freitag nicht festlegen, ob sie die erste Ausstiegschance nutzt. Bis Ende März will sie aber die ersten zehn Milliarden an die EZB zurückgegeben haben. Was sie mit den sechs Milliarden aus der zweiten Tranche macht, ließ sie offen. Sie können erst ab Ende Februar getilgt werden.

Für die EZB beginnt damit der Ausstieg aus ihren zahlreichen Krisenmaßnahmen, mit denen sie angeschlagene Banken seit Jahren päppelt. Insgesamt hatten 460 deutsche Banken bei den beiden, zusammen eine Billion Euro schweren Verteilaktionen zugegriffen, davon viele Sparkassen und kleine Genossenschaftsbanken, wie EZB-Präsident Mario Draghi gesagt hatte. Analysten von Barclays gehen davon aus, dass deutsche Institute 69 Milliarden Euro aus den EZB-Töpfen genommen hatten, davon allein 39 Milliarden aus dem ersten. Die Deutsche Bank, die sich laut Kreisen mit zehn Milliarden eingedeckt hat, und die Aareal Bank wären frühestens in einem Monat mit der Rückzahlung an der Reihe. Von den großen Landesbanken waren nur die Helaba und die HSH Nordbank im ersten Anlauf mit von der Partie - wie stark, ist nicht bekannt. Die Helaba gab am Freitag keine Gelder zurück. Sie prüfe das noch, sagte eine Sprecherin.

BELGISCHE STAATSBANK PRESCHT VOR

Europäische Bankaktien zogen an, nachdem die EZB die für Experten unerwartet hohe Zahl veröffentlicht hatte, der Euro stieg. Analysten hatten nur mit 100 Milliarden gerechnet. Die meisten Banken hielten sich bedeckt. Einzig die belgische Belfius, die aus der verstaatlichten Dexia Bank hervorgegangen war, preschte vor: sie will die ersten fünf von zehn Milliarden Euro Ende Januar zurückgeben.

Von nun an haben die Banken jede Woche die Chance zur Ablösung. Analysten gehen davon aus, dass beim nächsten Mal nur noch 50 Milliarden Euro an die EZB zurückfließen. "Ein paar stärkere Banken haben so schnell wie möglich getilgt, schwächere Banken hatten erst bei der zweiten Zuteilung zugegriffen", sagte Jan von Gerich von Nordea. Bisher reichten die Summen noch nicht aus, um die Zinsen am Interbanken-Markt nachhaltig nach oben zu hieven. Noch zeige die Rückzahlung nur, dass die Banken auf zu viel Liquidität säßen. Nach Reuters-Daten sind 583 Milliarden Euro mehr im Markt als die Banken bräuchten. "Die Umstände haben sich geändert", sagte Mediobanca-Analyst Chris Wheeler. "Die Banken haben ihre Bilanzen geschrumpft, und einige sind nur auf Nummer sicher gegangen. Jetzt brauchen sie das Geld nicht mehr."

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The Euro currency sign is seen in front of the European Central Bank (ECB) headquarters in Frankfurt December 6, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)