Japan will nicht als Währungsmanipulator dastehen

Freitag, 25. Januar 2013, 16:23 Uhr
 

Tokio/Berlin (Reuters) - Japan hat sich gegen den Vorwurf der Währungsmanipulation zugunsten seiner Exportwirtschaft verwahrt.

Finanzminister Taro Aso sagte am Freitag, wenn die japanische Notenbank jüngst ihre Geldpolitik gelockert habe, so ziele das auf die Bekämpfung der langandauernden Deflation ab. "Es ist absolut nicht in Ordnung, uns zu kritisieren, wir würden die Währung manipulieren." Es gehe darum, die überzogene Stärke des Yen zu korrigieren. Unterdessen stieg der Euro nicht nur gegenüber dem Yen, sondern auch dem Dollar und dem Pfund Sterling auf neue Mehrmonats-Rekorde. Italiens Regierungschef Mario Monti warnte, eine starker Euro könnte den Ausfuhren schaden. Von einem "Währungskrieg" will er aber nichts wissen.

Der äußerst expansive finanz- und geldpolitische Kurs der neuen japanischen Regierung hat Befürchtungen verstärkt, es könnte zu einem Abwertungswettlauf zwischen wichtigen Währungen der Welt kommen. Insbesondere aus Deutschland wurden Sorgen über die japanische Politik laut - zuletzt am Donnerstag in Davos von Bundeskanzlerin Angela Merkel und zuvor schon von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Merkel telefonierte ihrem Sprecher zufolge am Freitag mit dem neuen japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Dabei habe sie ihm zur Amtsübernahme gratuliert. Ob auch die Finanz- und Geldpolitik angesprochen wurde, blieb offen.

Japans Wirtschaftsminister Akira Amari kündigte an, er werde die Währungspolitik seines Landes an diesem Wochenende auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erläutern. Es gebe keinen Grund zur Sorge. Das Thema Währungspolitik wird voraussichtlich auch auf dem Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in Moskau Mitte Februar eine wichtige Rolle spielen.

Der US-Großinvestor George Soros sieht weniger Japan, als vielmehr Deutschland auf einem riskanten Kurs. "Die Deutschen glauben an Einsparungen, und der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen", sagte er am Rande des Forums in Davos. Das könnte einen gefährliche Konflikt auslösen. "Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg."

WEITERE LOCKERUNG DER GELDPOLITIK ERWARTET

Japans Notenbank hatte am Dienstag unter massivem Druck der neuen Regierung eine massive Aufstockung ihrer Käufe von japanischen Staatsanleihen angekündigt und das Inflationsziel auf zwei Prozent angehoben - einen Wert, der seit Ende der 1990er Jahre nur in wenigen Monaten erreicht wurde. Derzeit ist das Land weit davon entfernt: Im Dezember sanken die Verbraucherpreise in der Kernrate verglichen mit dem Vorjahr um 0,2 Prozent. Das war der zweite Rückgang in Folge. Der Yen fiel daraufhin auf 90,68 zum Dollar, den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Fallende Preise sind Gift für eine Volkswirtschaft, weil sich die Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit Käufen zurückhalten und so eine Abwärtsspirale in Gang kommt. Experten rechnen inzwischen mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, um dem zu begegnen.

Die neue Regierung unter Abe hatte seit ihrem Wahlsieg im Dezember den Druck auf die Notenbank erhöht, die Geldpolitik zu lockern. Damit schickte sie den Yen auf Sinkkurs, seit November hat er mehr als zehn Prozent an Wert verloren. Der Euro dagegen befindet sich im Aufwärtstrend. Am Freitag erreichte die europäische Währung mit zeitweise bis zu 1,3469 Dollar ein neues Elfmonatshoch. Zum Yen stieg der Euro bis auf 122,7 Yen und damit den höchsten Stand seit April 2011.

Italiens Regierungschef Monti sieht diese Entwicklung kritisch. "Es gibt sicher Spannungen an den Währungsmärkten", sagte er dem Radiosender RAI. Schon über einen Währungskrieg zu sprechen, halte er aber für übertrieben. Ein gewisses Risiko, dass der starker Euro Europas Exporte bremsen könnte, sei da.