Gewalt in Kairo eskaliert am Jahrestag der Revolution

Freitag, 25. Januar 2013, 17:32 Uhr
 

Kairo/Alexandria (Reuters) - In Ägypten ist am zweiten Jahrestag der Revolution die Gewalt zwischen Regierungsgegnern und Polizei eskaliert.

Das Innenministerium berichtete am Freitagabend von fast 100 Verletzten nach Zusammenstößen in Kairo, Alexandria, Suez und Ismailia. Vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt setzte die Polizei einem TV-Sender zufolge Tränengas gegen Demonstranten ein, die versuchten, auf das Gelände zu gelangen. Im Laufe des Tages waren Tausende Menschen auf den Tahrir-Platz in Kairo geströmt, um gegen die Politik von Präsident Mohammed Mursi und den Einfluss der islamischen Muslimbruderschaft zu protestieren. Während der Revolution war der Platz zentraler Schauplatz des Aufstandes gegen Machthaber Husni Mubarak.

"DIE REVOLUTION GEHT WEITER"

In mehreren ägyptischen Großstädten kam es zu Straßenschlachten. Demonstranten schleuderten Brandsätze und Feuerwerkskörper auf die Polizei, die ihrerseits Tränengas einsetze. In Ismailia am Suez-Kanal stürmten Hunderte Menschen Augenzeugen zufolge ein Gebäude der Provinzregierung. Ein Parteibüro der Muslimbruderschaft ging in Flammen auf.

"Die Revolution geht weiter", sagte der linke Oppositionspolitiker Hamdin Sabahi Reuters TV auf seinem Weg zum Tahrir-Platz. "Wir weisen die Beherrschung des Staats durch eine Partei zurück. Wir sagen Nein zum Bruderschafts-Staat." Auch der liberale Politiker Amr Hamsaui lehnte dies auf Twitter ab. Er warf dem Präsidenten zudem vor, die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit zu ignorieren.

Präsident Mursi und die Muslimbrüder haben die Kritik zurückgewiesen. Sie sehen sich durch ihren Wahlsieg bestätigt und werfen ihren Gegnern vor, die demokratischen Spielregeln nicht zu respektieren und wichtige Reformen zu erschweren. "Die Meinungsverschiedenheiten, die Ägypten gerade durchmacht, sind ein zentrales Kennzeichen des Übergangs von einer Diktatur zur Demokratie", schrieb der Anführer der Bruderschaft, Mohammed Badie, am Freitag in der staatlichen Zeitung "Al-Ahram". "Sie zeigen deutlich die Vielfalt der ägyptischen Kultur."

MURSI KOMMT NACH DEUTSCHLAND

Die Muslimbrüder hatten unter Hinweis auf drohende Gewalt auf einen Aufruf zu einer Gegendemonstration verzichtet. Sie begingen den Jahrestag des Beginns der Revolution mit einer landesweiten Wohltätigkeitskampagne. Etwa eine Millionen Ägypter sollen dabei Medikamente und Grundnahrungsmittel erhalten. In diesem Jahr sind in Ägypten Parlamentswahlen geplant.

Mursi wird kommende Woche in Deutschland erwartet. Im Vorfeld des Besuchs sorgten kürzlich bekannt gewordene Kommentare des Präsidenten aus dem Jahr 2010 über Juden für Wirbel. Damals hatte er Zionisten unter anderem als "Blutsauger" sowie "Nachfahren von Affen und Schweinen" verunglimpft. Mursi war zu der Zeit eine führende Figur in der Muslimbruderschaft. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte eine Aufzeichnung des Fernsehinterviews, in dem Mursi die Aussagen machte, einsehen. Die ägyptische Regierung hat erklärt, die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

 
Protesters opposing Egyptian President Mohamed Mursi demonstrate at Tahrir Square in Cairo January 25, 2013. REUTERS/Amr Abdallah Dalsh (EGYPT - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)