EU reanimiert Handelsgespräche mit Brasilien und Argentinien

Sonntag, 27. Januar 2013, 12:39 Uhr
 

Santiago de Chile (Reuters) - Die Europäische Union (EU) startet einen neuen Anlauf zur Verbesserung der angespannten Handelsbeziehungen mit den wichtigen Schwellenländern Brasilien und Argentinien.

Beide gehören zum südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur, der die Gespräche mit der EU über ein Freihandelsabkommen wiederbeleben will. EU-Handelskommissar Karel De Gucht sagte am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters in Santiago de Chile, beide Seiten hätten vereinbart, bis zum Jahresende neue Angebote vorzulegen. Dabei gehe es um die Öffnung von Wirtschaftssektoren, die von Dienstleistungen bis zur Landwirtschaft reichen.

Die von Staatsschuldenkrise und Konjunkturflaute geschwächte EU sucht nach zusätzlichen Möglichkeiten, vom Wachstumsboom in Lateinamerika zu profitieren. Freihandelsabkommen gibt es bereits unter anderem mit Mexiko, Peru und Chile. Die Verhandlungen mit Mercosur begannen bereits in den 1990er-Jahren und wurden 2010 neu angestoßen. Seitdem gibt es aber kaum Fortschritte. Argentinien und Brasilien schützen die heimische Wirtschaft mit Hilfe von Importbeschränkungen. Umgekehrt stoßen sich die beiden Länder an den Landwirtschaftssubventionen in Europa. Auch das neue Mercosur-Mitglied Venezuela ist ein entschiedener Gegner des Freihandels. Außerdem gehören dem Bündnis Paraguay und Uruguay an.

"Es wurden gewaltige Anstrengungen gemacht, um neue Bewegung in die Diskussionen zu bringen", sagte De Gucht. Von einem Durchbruch wollte er allerdings nicht sprechen. "Ich glaube, wir müssen vorsichtig sein mit diesem Wort", sagte er. Der EU-Kommissar äußerte sich am Rande eines EU-Lateinamerika-Gipfels. In dessen Rahmen hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Präsidentinnen Brasiliens und Argentinien, Dilma Rousseff und Cristina Fernandez, getroffen und vor einem Rückfall in den Protektionismus gewarnt.

 
Spain's Prime Minister Mariano Rajoy (L) waves to Costa Rica's President Laura Chinchilla (2nd L-R), Bolivia's President Evo Morales, Brazil's President Dilma Rousseff, Germany's Chancellor Angela Merkel and Argentina's President Cristina Fernandez, before an official photo at the summit of the Community of Latin American, Caribbean States and European Union (CELAC-UE) in Santiago January 26, 2013. REUTERS/Eliseo Fernandez