Unruhen in Ägypten gehen weiter - 42 Tote

Sonntag, 27. Januar 2013, 13:36 Uhr
 

Kairo (Reuters) - Bei neuen Unruhen in Ägypten sind am Wochenende Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

In Port Said starben Sicherheitskreisen zufolge 33 Menschen bei Zusammenstößen, nachdem ein Gericht 21 Menschen wegen Krawallen bei einem Fußballspiel vor fast einem Jahr zum Tode verurteilten. Die Armee rückte dort und in Suez ein. Insgesamt wurde von mindestens 42 Toten ausgegangen. In Kairo kam es am Sonntag zu weiteren Auseinandersetzungen, die jedoch nicht die Ausmaße der Vortage erreichten. Die Unruhen halten das Land zwei Jahre nach Beginn der Arabischen Revolution in Atem. Die Wirtschaft leidet massiv unter fehlenden Stabilität.

Am Sonntag bewarfen in Kairo etwa ein Dutzend Jugendliche auf einer Brücke nahe dem zentralem Tahrir-Platz Polizisten mit Steinen. Die Einsatzkräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zurückzudrängen. Das Ausmaß der Gewalt blieb zunächst geringer als in den vergangenen Tagen. Die britische und die US-Botschaft blieben geschlossen. Beide Gebäude liegen in der Nähe des Tahrir-Platzes. Die Anwohner in Port Said berichteten von Schüssen in der Nacht. Viele Geschäfte und Betriebe blieben am Sonntag geschlossen, eigentlich ein Arbeitstag in dem muslimischen Land. In Laufe des Tages sollten die Toten der Krawalle beigesetzt werden, was die Furcht vor neuer Gewalt weckte.

JUBEL UND FREUDENTRÄNEN NACH VERHÄNGUNG DER TODESSTRAFE

Die jüngste Gewaltwelle hatte am Donnerstag begonnen, am Vorabend des zweiten Jahrestages der Revolution. Kritiker von Präsident Mursi hatten sich versammelt, um gegen seine Politik, die neue Verfassung und insbesondere den Einfluss der Muslimbruderschaft auf Politik und Regierung zu demonstrieren. Die oppositionelle Nationale Heilsfront drohte mit einem Boykott der Parlamentswahl in einigen Wochen. Sie forderte zudem eine vorgezogene Präsidentenwahl und eine Übergangsregierung der nationalen Einheit. Weiter kündigte die Opposition für kommenden Freitag neue Proteste an.

Nach einem Fußballspiel am 1. Februar 2012 beim Verein Al-Masri in Port Said war es zu Kämpfen und einer Massenpanik gekommen. 74 Menschen starben. Bei anschließenden Straßenkämpfen wurden weitere 16 Menschen getötet. Am Samstag verhängte ein Gericht zunächst 21 Todesstrafen. Insgesamt sind 73 Menschen angeklagt, weitere Urteile in dem Fall sollen am 9. März folgen. Im Gerichtssaal begrüßten die Familien der Getöteten die Todesstrafen mit Jubelrufen. Einige weinten vor Freude. Vor dem Vereinshaus der anderen Mannschaft Al-Ahli in Kairo brach unter den Fans ebenfalls Jubel über die Todesurteile aus.

Viele Ägypter sind die nun seit zwei Jahren regelmäßigen Krawalle leid, die Touristen abschrecken. Die Wirtschaft des Landes kommt nicht wieder in Gang, die Landeswährung schwächelt zum Dollar und fiel auch am Sonntag weiter. Am Mittwoch wird Mursi zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet.

 
A protester throws stones at police as another prepares to throw a burning tyre during clashes in Alexandria, January 25, 2013. REUTERS/Asmaa Waguih