Metro baut im Machtkampf um Media-Saturn Anteil aus

Montag, 28. Januar 2013, 14:44 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Im Machtkampf mit dem Mehrheitseigner Metro um Europas größte Elektrohandelskette Media-Saturn verliert Firmengründer Erich Kellerhals seinen einzigen Verbündeten im Aktionärskreis.

Media-Saturn-Mitbegründer Leopold Stiefel kündigte am Montag an, seine Familie werde sich von ihren Media-Saturn-Anteilen in Höhe von insgesamt 2,97 Prozent trennen und diese an den Düsseldorfer Handelskonzern verkaufen. Der Streit zwischen Kellerhals und Metro habe keine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, sagte Stiefel der Nachrichtenagentur Reuters. Für seinen Anteil erhält Stiefel einen üppigen Preis: Metro-Kreisen zufolge werden rund 230 Millionen Euro fällig. Die Ergebnisse des Unternehmens werden aber nicht belastet, Metro hat einem Sprecher zufolge Rückstellungen gebildet. Der Poker mit Kellerhals dauert indes an - denn dessen umfassende Veto-Rechte bleiben trotz des auf rund 78 Prozent steigenden Metro-Anteils an Media-Saturn bestehen.

"Media-Saturn ist mein Lebenswerk", unterstrich Stiefel. Trotzdem sagt er seiner Beteiligung Adieu: "Nachdem ich mich schon vor Jahren entschlossen habe, meine Anteile zum gegebenen Zeitpunkt vertrauensvoll in die Hände des Mehrheitsgesellschafters Metro zu legen, habe ich diesen Schritt nun vollzogen", fügte er in einer Pressemitteilung hinzu. Er habe bereits 2002 eine Put-Option für die verbliebenen Anteile vereinbart, sagte Stiefel Reuters weiter. Nun nehme er diese wahr, denn er könne den Weg von Media-Saturn mit seinem Anteil nicht wesentlich mitbestimmen. "Es gibt keinen Streit zwischen mir und der Metro oder zwischen mir und Herrn Kellerhals", unterstrich er. Kellerhals hätte zudem entsprechend seiner Beteiligung an Media-Saturn auch Anteile seiner Familie übernehmen können, sagte Stiefel weiter. Kellerhals verzichtete indes auf die Option, weitere Anteile zu kaufen, berichteten Insider.

Stiefel hatte zusammen mit Kellerhals die Elektromarktkette aufgebaut. Milliardär Kellerhals hatte immer wieder betont, Geschäftspartner Stiefel teile im Streit mit der Metro seine Position. Bei dem Konflikt geht es um die umfassenden Vetorechte Kellerhals' bei Media-Saturn - diese sind dem Mehrheitseigner Metro ein Dorn im Auge. Der Handelsriese hatte Kellerhals immer wieder vorgeworfen, Entscheidungen zu verzögern. Kellerhals seinerseits wirft dem ungeliebten Großaktionär vor, ihn enteignen zu wollen. Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten hatte es unter anderem um die Internet-Strategie von Media Markt und Saturn gegeben.

Der Streit beschäftigte auch die Gerichte. An den Machtverhältnissen in den Media-Saturn-Gremien ändert Stiefels Entscheidung indes nach Angaben von Sprechern beider Seiten nichts. Kellerhals hält knapp 22 Prozent an Media-Saturn - für die Veto-Rechte reichen nach Firmenstatut 20 Prozent. Entsprechend musste er keine Anteile von Stiefel übernehmen, um seine Position abzusichern. Stiefel erhält zudem durch die 2002 ausgehandelte Option Kreisen zufolge für knapp drei Prozent der Media-Saturn-Anteile rund 230 Millionen Euro - damit würde die Kette insgesamt mit mehr als sieben Milliarden Euro bewertet. Der Metro-Konzern, zu dem auch noch Großmärkte sowie die Töchter Real und Kaufhof gehören, ist an der Börse rund 7,4 Milliarden Euro wert.

Ein Sprecher von Kellerhals' Investmentgesellschaft Convergenta nannte Stiefels Entscheidung zum Ausstieg aus dem Aktionärskreis eine "private Vermögensdisposition von Herrn Stiefel". "Es steht uns nicht zu, diese zu kommentieren", fügte er hinzu.

Gänzlich verabschieden will Stiefel sich aber nicht - er wolle Media-Saturn als Berater in strategischen Fragen zur Verfügung stehen, betonte er. "Wir begrüßen seine Bereitschaft, dem Unternehmen weiter verbunden sein zu wollen, sehr und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit", sagte Metro-Chef Olaf Koch. Metro-Aktien notierten am Vormittag in einem fast unveränderten Gesamtmarkt leicht im Minus.

 
Shopping carts of Germany's biggest retailer Metro AG are pictured before the annual balance news conference in Duesseldorf March 20, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS)