Frankreich: Rebellen in Mali könnten zurückkehren

Montag, 28. Januar 2013, 14:51 Uhr
 

Paris/Gao (Reuters) - Nach dem Vorstoß französischer und malischer Truppen in die Stadt Timbuktu hat Frankreichs Außenminister Laurent Fabius vor einer Rückkehr der Rebellen gewarnt.

"Die Terrorgruppen verfolgen die Strategie des Rückzugs", sagte er am Montag dem Fernsehsender France 2. "Einige von ihnen könnten in den Norden zurückkehren, vor allem in Mali." Ob sich Frankreich dann auch an einem erneuten Militäreinsatz in dem westafrikanischen Land beteiligen würde, ließ er offen. Französische und malische Soldaten haben Timbuktu eingekreist und rückten vor. Auf Widerstand stießen sie nicht. Die Soldaten durchkämmten die Stadt auf der Suche nach den mit der Al-Kaida verbündeten Rebellen. Diese hatten vor ihrer Flucht nach Norden in die Wüste und die Berge eine Bibliothek mit unschätzbaren alten Handschriften in Brand gesteckt.

"Wir kontrollieren den Flughafen von Timbuktu, und unsere Truppen sind dabei, die Stadt zu sichern", sagte der Sprecher des malischen Verteidigungsministeriums, Diarran Kone, der Nachrichtenagentur Reuters. Mit der Kontrolle über den Flughafen können nun malische und andere afrikanische Soldaten eingeflogen werden. Am Sonntag hatten die Verbündeten Timbuktu erreicht. Einen Tag zuvor hatten sie Gao, das mehr als 300 Kilometer östlich liegt, unter ihre Kontrolle gebracht. Dort feierten Tausende Anwohner in den Straßen die Befreiung von den Islamisten.

FABIUS: MALI WIRD ALLMÄHLICH BEFREIT

Mali wird nach Einschätzung von Fabius Schritt für Schritt befreit. "Gemeinsam mit den Maliern gewinnen wir eine Reihe von Städten zurück", sagte der französische Außenminister in dem Interview. Die von Frankreich angeführte und seit zwei Wochen dauernde Offensive gegen die Rebellen machte rasch Fortschritte. Von den drei größeren Städten im Norden Malis, die die Rebellen im vergangenen Jahr auf ihrem Vormarsch gen Bamako im Süden erobert hatten, kontrollieren sie nur noch Kidal.

Auf ihrem Rückzug aus Timbuktu hinterließen die islamistischen Kämpfer eine Spur der Verwüstung. Sie hätten das neu gebaute Ahmed-Baba-Institut vier Tage zuvor angezündet, berichtete der Bürgermeister der Stadt, Halle Usmane. Wie viel von dem Gebäude, das mehr als 20.000 Manuskripte beherbergte, zerstört ist, konnte Usmane in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur Reuters nicht sagen. Einige der Handschriften stammen aus dem 13. Jahrhundert.

Usmane hielt sich in der Hauptstadt Bamako auf. Die Informationen erhielt er nach eigenen Angaben von seinem Pressechef, der einen Tag zuvor aus Timbuktu in den Süden gereist war. Auch seinen Amtssitz und das Haus eines Abgeordneten hätten die Islamisten angezündet, sagte er.

Erst im vergangenen Jahr hatten die Islamisten einen Großteil der zum Weltkulturerbe der Unesco gehörenden antiken Mausoleen in Timbuktu zerstört. Die Zerstörung in der Stadt, die ein einziges Labyrinth aus antiken Moscheen, anderen Bauwerken und Häusern aus Lehmziegeln ist, hatte weltweit Proteste ausgelöst. Sie hatte auch an die Sprengung der riesigen Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan durch die radikal-islamischen Taliban im Jahr 2001 erinnert.

 
A Malian soldier stands guard on the road between Konna and Sevare January 27, 2013. REUTERS/Eric Gaillard (MALI - Tags: POLITICS CONFLICT MILITARY)