Ein Toter bei neuen Krawallen in Kairo - Armee erhält mehr Macht

Montag, 28. Januar 2013, 14:53 Uhr
 

Kairo (Reuters) - In der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist am Montag bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei ein Zuschauer erschossen worden.

Der 46-jährige Mann habe sich nicht an den Protesten auf dem zentralen Tahrir-Platz beteiligt, verlautete aus dem Innenministerium. Er sei am frühen Morgen am Rande des Platzes von einer Kugel getroffen worden. Wer geschossen hat, sei unklar.

Die Polizei feuerte Tränengas-Granaten auf die Menge, die mit Steinen warf. Die Menschen demonstrierten gegen Präsident Mohammed Mursi und die ihn unterstützenden Islamisten. Den fünften Tag in Folge kam es zu Krawallen in Ägypten. In der vergangenen Woche waren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen 49 Menschen ums Leben gekommen. Wegen der anhaltenden Unruhen hatte Mursi am Sonntagabend für 30 Tage den Ausnahmezustand in Suez, Ismailia und Port Said verhängt. Ab diesem Montag soll dort nachts auch eine Ausgangssperre gelten. Unmittelbar nach der Ankündigung kam es in den drei Städten erneut zu Protesten. Hunderte Demonstranten gingen auf die Straßen.

Nun soll die Armee mehr Machtbefugnisse erhalten. Mursis Kabinett habe einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach die Armee Zivilisten festnehmen und die Polizei bei Sicherheitsaufgaben unterstützen könne, erfuhr Reuters aus Regierungskreisen. Die Armee werde wie eine Polizeieinheit agieren, hieß es. Festgenommene würden vor ein Zivil- und nicht vor ein Militärgericht gestellt. Offenblieb, ob das Gesetz im ganzen Land angewandt werden soll oder nur in den Städten am Suez-Kanal, über die Mursi den Ausnahmezustand verhängt hat.

Die jüngste Gewaltwelle hatte am vergangenen Donnerstag begonnen, am Vorabend des zweiten Jahrestages der Revolution. Kritiker von Präsident Mursi protestieren gegen seine Politik, die neue Verfassung und insbesondere den Einfluss der Muslimbruderschaft auf Politik und Regierung.

 
A protester (L) opposing Egyptian President Mohamed Mursi flees from tear gas fired by riot police during clashes along Qasr Al Nil bridge leading to Tahrir Square in Cairo January 27, 2013. Egypt's presidency said it was inviting political supporters and opponents for a national dialogue on Monday at 6 P.M. (1600 GMT) at the presidential palace in Cairo, it said in a statement. The announcement followed a television address by President Mohamed Mursi who sought to quell four days of violence across the nation by declaring a state of emergency in the three most volatile cities and calling for a national dialogue. REUTERS/Amr Abdallah Dalsh (EGYPT - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)