Franzosen riegeln Timbuktu ab - Alte Schriften verbrannt

Montag, 28. Januar 2013, 18:51 Uhr
 

Paris/Gao (Reuters) - Französische und malische Truppen haben im Kampf gegen Islamisten Timbuktu abgeriegelt und die Einnahme der historischen Stadt vorbereitet.

Ein französischer Militärsprecher sagte am Montag, man wolle Kämpfe vermeiden, um die Kulturgüter und historischen Gebäude nicht zu gefährden. Bislang sei man ohne Gegenwehr vorgerückt. Der Bürgermeister von Timbuktu, Halle Ousmane, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Islamisten hätten vor vier Tagen eine Bibliothek mit unschätzbaren alten Handschriften in Brand gesteckt. Tuareg-Kämpfer gaben unterdessen die Einnahme von Kidal bekannt, die letzte von drei größeren Städten, die die Islamisten im Norden Malis erobert hatten.

Timbuktu gehört zum Weltkulturerbe. Die Stadt besteht aus einem Labyrinth aus engen Gassen, alten Moschen und Lehmziegelhäusern, was ein Vorrücken der französischen und malischen Soldaten erschwert. "Wir müssen extrem vorsichtig sein", sagte ein Sprecher der französischen Streitkräfte in Paris. "Aber allgemein steht alles Notwendige bereit, um die Kontrolle zu übernehmen." Etwa 1000 französische Soldaten und 200 Angehörige der malischen Armee hatten den Flughafen eingenommen und die Stadt umstellt, um den Islamisten den Fluchtweg abzuschneiden. Diese zogen sich offenbar nach Norden in die Wüstengebiete und Berge zurück. "Sie sind alle geflohen", sagte ein Abgeordneter von Timbuktu, El Madj Baba Haidara, in der Hauptstadt Bamako. Sie hätten einige Gebäude zerstört.

BÜRGERMEISTER: ISLAMISTEN BRENNEN HANDSCHRIFTENARCHIV NIEDER

Dazu gehörte Bürgermeister Ousmane zufolge das neu gebaute Ahmed-Baba-Institut, das mehr als 20.000 Manuskripte beherbergte. Einige der Handschriften stammten aus dem 13. Jahrhundert. Die Informationen habe er von seinem Pressechef erhalten, der einen Tag zuvor aus Timbuktu in den Süden gereist sei, sagte Ousmane in einem Telefonat mit Reuters. Das Ausmaß der Zerstörung sei noch unklar. Im vergangenen Jahr hatten die Islamisten in Mali Dutzende Schreine von Sufi-Muslimen zerstört. Dies erinnerte an die Sprengung riesiger Buddha-Statuen in Afghanistan durch die radikal-islamischen Taliban im Jahr 2001.

Ein Kommandeur der Tuareg-Rebellengruppe MNLA sagte Reuters per Satelliten-Telefon, seine Kämpfer hätten die Kontrolle über die nördliche Stadt Kidal übernommen. Ein weiterer MNLA-Vertreter machte die selben Angaben. Eine unabhängige Bestätigung war zunächst nicht möglich. Der Kommandeur bot den französischen Soldaten Hilfe im Kampf gegen die Islamisten an. Diese versteckten sich in den Bergen von Tidmane und Tigharghar in der Region, sagte er. Kidal wäre damit nach Timbuktu und Gao die dritte größere Stadt im Norden, aus der die Islamisten vertrieben wurden.

Timbuktu war im April von Tuareg-Rebellen erobert worden. In der Folge übernahmen die Islamisten die Führung des Aufstandes und drangen immer weiter nach Süden vor. Während der UN-Sicherheitsrat grünes Licht für einen Einsatz gab, der allerdings frühestens im September angelaufen wäre, schickte Frankreich vor zwei Wochen Soldaten auf eigene Faust in die ehemalige Kolonie. Präsident Francois Hollande sagte am Montag, die Soldaten seines Landes würden die "terroristische Offensive" der Islamisten stoppen und mit Hilfe der malischen Soldaten die Städte zurückerobern. Es sei dann Sache afrikanischer Truppen, die Macht der Aufständischen im Norden zu brechen.

Die französischen und malischen Truppen sollen durch Tausende Soldaten aus afrikanischen Staaten unterstützt werden. Deren Einsatz kommt jedoch nur langsam voran. Deutschland unterstützt die Offensive mit Transportflugzeugen und Ausrüstung. Die Bundeswehr habe bereits in den vergangenen Monaten 50 bis 70 Lastwagen sowie ein Feldlazarett und Sanitätsmaterial an die malischen Streitkräfte geliefert, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Diese Unterstützung könne bei Bedarf aufgestockt werden. Eine Entsendung von Kampfeinheiten hat die Bundesregierung ausgeschlossen.

- von Adama Diarra

 
A Malian soldier stands guard on the road between Konna and Sevare January 27, 2013. REUTERS/Eric Gaillard (MALI - Tags: POLITICS CONFLICT MILITARY)