Philips speckt noch mehr ab - Umbau sorgt für Verlust

Dienstag, 29. Januar 2013, 13:44 Uhr
 

Amsterdam (Reuters) - Mit dem Verkauf einer weiteren Stammsparte treibt Philips seine Schrumpfkur voran.

Der niederländische Elektronik-Konzern kündigte unter dem Druck des erbitterten Preiskampfs mit der Konkurrenz aus Asien am Dienstag an, sein Audio- und Videogeschäft für 150 Millionen Euro abzuspalten. Es geht an den japanischen Rivalen Funai Electric. Damit verabschiedet sich Philips nach dem Ausstieg aus dem defizitären TV-Geschäft von einem weiteren Traditionsbereich.

Künftig will sich der Siemens-Rivale auf die lukrativeren Sparten mit Haushaltsgeräten wie Toastern oder Kaffeemaschinen sowie die Medizintechnik konzentrieren. Allerdings kommt der Umbau das Unternehmen teuer zu stehen: Auch weil die Kosten für die Restrukturierung höher ausfielen als angenommen, weitete sich der Nettoverlust im vierten Quartal 2012 aus. Operativ zahlte er sich dagegen mit einem Gewinnplus von 50 Prozent aus.

Mit der Trennung vom Bereich Home Entertainment zieht Philips einen Schlussstrich unter den Versuch, mit günstigeren Konkurrenten wie den südkoreanischen Firmen Samsung und LG mitzuhalten. "Damit schließen wir den Ausstieg aus der Unterhaltungselektronik ab", sagte Philips-Chef Frans van Houten. Erst vor einem Jahr wurde das TV-Geschäft in ein Joint Venture mit TPV aus Hongkong ausgegliedert.

EUROPÄER OHNE CHANCE GEGEN ASIATISCHE BILLIGANBIETER

Zwar konnte die Audio- und Video-Sparte im vergangenen Jahr Gewinne schreiben. Doch fielen sie in einem - wie van Houten sagte - "schrumpfenden Geschäft" immer dürftiger aus. Filme, Musik und Videospiele werden zunehmend über das Internet statt auf CD und DVD verkauft. Die letzten europäischen Anbieter haben gegen die Konkurrenz aus Asien einen harten Stand. So kündigte Deutschlands größter Fernseher-Hersteller Loewe zuletzt nach einem herben Verlust an, den Stellenabbau zu beschleunigen - weckte Zweifel an der Zukunft seiner Produktion im Inland.

Analysten begrüßten den Schritt von Philips als "wichtigen Verkauf", der Hoffnungen auf weitere Abspaltungen in dem Bereich schüre. Auch Anleger reagierten erfreut: Die Aktie gewann in Amsterdam mehr als zwei Prozent.

Die Niederländer wiesen für das vierte Quartal unter dem Strich einen Verlust von 355 Millionen Euro aus. Hauptgrund neben den Umbaukosten war eine Rücklage in Höhe von gut einer halben Milliarde Euro für eine EU-Kartellstrafe im TV-Geschäft. Das operative Ergebnis (Ebita) stieg dagegen überraschend deutlich auf 875 Millionen Euro. Hier wirkten sich die Trennung von Sparten, die Konzentration auf das Kerngeschäft, aber auch Stellenstreichungen aus.

Der Konzernumsatz legte um drei Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu. Neben der Medizintechnik gab es auch ein Wachstum im Leuchtmittelgeschäft. In der Philips-Lichtsparte, die mit der bayerischen Osram konkurriert, kommt vor allem das zukunftsträchtige Leuchtdiodengeschäft (LED) in Schwung. Der Umsatz mit den energiesparenden Lichtchips kletterte binnen Jahresfrist um fast die Hälfte.