Auto-Krise in Europa setzt Ford immer stärker zu

Dienstag, 29. Januar 2013, 16:18 Uhr
 

Detroit (Reuters) - Die Auto-Krise in Europa macht Ford immer schwerer zu schaffen.

Zwar konnte der zweitgrößte US-Hersteller dank florierender Geschäfte im Heimatmarkt Verluste auf dem alten Kontinent mehr als wettmachen. Doch bleibt die Schwäche in Europa trotz des eingeleiteten Sparkurses die Achillesferse. Hier fiel im vergangenen Jahr ein Verlust von 1,8 Milliarden Dollar an. Und Besserung ist nicht in Sicht. Für 2013 rechnet Ford in Europa mit einem Minus von rund zwei Milliarden Dollar - mehr als bislang angenommen. Die Beschäftigten müssen weitere Werksschließungen und Stellenstreichungen fürchten. Denn Vorstandschef Alan Mulally kündigte am Dienstag für den Notfall zusätzliche Maßnahmen zur Sanierung an.

Wie der größere Rivale General Motors (GM) profitierte Ford zuletzt kräftig vom Aufschwung auf dem US-Automarkt, wo große, PS-starke Modelle gefragt sind. Obwohl das vierte Quartal gewöhnlich das schwächste Vierteljahr ist, stieg der Vorsteuergewinn zum Vorjahr überraschend kräftig um 55 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs um 5,5 Prozent auf 36,5 Milliarden Dollar.

Allein in Nordamerika verdiente der Konzern mit 1,9 Milliarden Dollar fast eine Milliarde mehr als vor einem Jahr. In Europa liefen die Geschäfte dagegen schlechter. In den letzten drei Monaten fiel dort ein Verlust von 732 Millionen Dollar an, gut eine halbe Milliarde mehr als im Jahr zuvor. Die Ford-Aktie gab im frühen Handel an der Wall Street rund drei Prozent nach.

TRÜBE PERSPEKTIVEN

Die Absatzkrise in Westeuropa macht der ganzen Branche zu schaffen. Ford trat deswegen bereits im Herbst auf die Bremse und kündigte die Schließung von insgesamt drei Werken in Belgien und Großbritannien mit insgesamt 5700 Beschäftigten an. Dazu gehört der Standort im belgischen Genk sowie die britischen Fabriken in Southampton und Dagenham. Einschließlich Jobs in anderen Bereichen fallen in Europa 6200 Arbeitsplätze weg. Damit will Ford bis 2015 in Europa wieder profitabel werden. Als Blaupause soll die Sanierung in den USA dienen. Hier kam der Konzern im Gegensatz zu GM und Chrysler in der Weltwirtschaftskrise 2009 ohne Staatshilfe aus.

Doch trotz der Sparmaßnahmen droht in diesem Jahr ein noch höherer Verlust. Die Aussichten hätten sich in den vergangenen Monaten verschlechtert, sagte Finanzchef Bob Shanks. "Die Euro-Zone wird wahrscheinlich das ganze Jahr in der Rezession stecken." Zwar werde die Talsohle 2013 wohl durchschritten. Weitere Maßnahmen zur Sanierung seien aber nicht auszuschließen. Auch GM verhandelt derzeit mit den Gewerkschaften über zusätzliche Einschnitte in Europa. Dabei drohte der Konzern zuletzt, das Opel-Werk in Bochum schon ein Jahr früher zum 1. Januar 2015 dichtzumachen.

Zusätzlich zu den Problemen in Europa könnte sich der Rückenwind aus den USA für Ford abschwächen. Denn das zuletzt rasante Wachstum auf dem nach China zweitgrößten Automarkt der Welt dürfte sich verlangsamen. Zwar rechnet das Management mit weiter steigenden Gewinnen in Nordamerika. Insgesamt stellte der Konzern für dieses Jahr aber kein großes Wachstum mehr in Aussicht, auch wenn er in Asien und Südamerika in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen will. Das Ergebnis dürfte sich vielmehr auf Vorjahresniveau bewegen.