Software AG kündigt Durststrecke beim Gewinn an

Dienstag, 29. Januar 2013, 19:05 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Software AG hat eine neue Etappe ihrer Wachstumsstrategie angekündigt und nimmt dafür weitere Gewinneinbußen in Kauf.

Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren habe sich das Management vorgenommen, den Konzern in eine neue Größenordnung zu bringen, erklärte der Chef des nach SAP zweitgrößten deutschen Software-Unternehmens, Karl-Heinz Streibich, am Dienstag in Frankfurt. Bei der Digitalisierung aller Unternehmensprozesse werde ein neuer globaler Marktführer aufgebaut. Nach dem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr rechnen die Darmstädter allerdings auch für 2013 mit einem Schrumpfkurs. Der operative Gewinn (Ebit) werde zwischen 240 und 250 Millionen Euro liegen - nach 248 Millionen Euro 2012, was zum Vorjahr ein Minus von acht Prozent ausmachte.

Auch das vierte Quartal 2012 war schwächer ausgefallen als von Analysten erwartet. Die Anleger warfen deshalb Aktien auf den Markt. Der Kurs brach um bis zu 15,5 Prozent ein und war mit 29,39 Euro zeitweise so billig wie seit Mitte Oktober 2012 nicht mehr. Software AG waren damit der größte Verlierer im TecDax, der Aktienumsatz des Darmstädter Konzerns war fast doppelt so hoch wie der des weit größeren Rivalen SAP. Der europäische Marktführer hatte die Anleger im Gegensatz zur Software AG mit der Aussicht auf bis zu 13 Prozent Erlöswachstum in diesem Jahr verwöhnt, und auch der amerikanische Konkurrent Oracle hatte einen positiven Ausblick abgeliefert.

25 PROZENT MEHR UMSATZ BIS 2018

Der Strategiewechsel brockte der Software AG bereits im abgelaufenen Jahr Einbußen bei Umsatz und Gewinn ein. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 1,05 Milliarden Euro, der operative Gewinn ging noch stärker zurück: Um acht Prozent auf 248 Millionen Euro (Ebit). Das Nettoergebnis blieb mit knapp 165 Millionen Euro um sieben Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Ursache ist die Abkehr vom traditionellen Geschäft mit Software zum Datenmanagement (ETS). Das Darmstädter Unternehmen setzt nun stärker auf Produkte und Lösungen für das Management und die Optimierung von Geschäftsprozessen (BPE). In diesen Wachstumsbereich steckte das Unternehmen 2012 rund 40 Millionen Euro an Investitionen. Für Vertrieb und Marketing der neuen Produkte planen die Hessen in diesem Jahr 15 bis 30 Millionen Euro ein.

Bis 2018 soll sich der Umsatz in der Sparte BPE fast verdoppeln auf eine Milliarde Euro. Da dies dann 80 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen soll, nimmt sich die Software AG für die kommenden fünf Jahre einen Umsatzzuwachs von 20 Prozent vor. Belastet wird das Ergebnis kurzfristig auch vom Rückzug aus dem Beratungsgeschäft für SAP-Produkte. Hier wolle sich die Software AG auf Großkunden konzentrieren und nicht länger kleine und mittlere Unternehmen bedienen, sagte Streibich. Bis 2018 soll das Ergebnis je Aktie von zuletzt 1,90 Euro auf drei Euro klettern, sagte Finanzchef Arnd Zinnhardt. Für 2013 stellte er nur 1,70 bis 1,80 Euro in Aussicht. "Wir haben uns den unbequemeren, schwierigeren, aber am Ende des Tages erfolgreicheren Weg ausgesucht", sagte Zinnhardt.