Opposition meldet neues Massaker in Syrien

Dienstag, 29. Januar 2013, 18:57 Uhr
 

Beirut/Genf (Reuters) - In Syrien ist nach Angaben der Opposition ein weiteres Massaker verübt worden.

Mindestens 65 Menschen seien in Aleppo im Norden des Bürgerkriegslandes hingerichtet worden, teilte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien am Dienstag mit. Demnach waren die durch Kopfschüsse getöteten Opfer gefesselt. Wer hinter der Tat steckt, war unklar. Immer mehr Syrer flüchten vor der Gewalt: Nach UN-Angaben haben mehr als 700.000 Menschen inzwischen Zuflucht in den Nachbarländern gefunden. US-Präsident Barack Obama sagte weitere Hilfsgelder zu.

Das Massaker in Aleppo versuchten die Oppositionellen durch von ihnen verbreitete Videos zu belegen. Auf einem war ein Kleinlaster mit Leichen auf der Ladefläche zu sehen. Ein weiteres Video zeigte mindestens 51 dreckverschmierte Leichen von Männern, die am Fluss Kueik in dem von Rebellen kontrollierten Bezirk Bustan al-Kasr gelegen haben sollen. Die Bilder, deren Echtheit nicht bestätigt werden konnte, zeigen junge Opfer, die Jeans, Hemden und Turnschuhe tragen.

Der Bürgerkrieg trägt zunehmend die Züge eines Stellvertreterkonflikts verfeindeter Religionsgruppen. Die Rebellen sind zum Großteil sunnitische Muslime. In Armee und Regierung sind die Schaltstellen dagegen mit Alawiten besetzt, einer Abspaltung des schiitischen Islam. In dem seit fast zwei Jahren anhaltenden Konflikt sind sowohl den Regierungstruppen wie auch den Rebellen schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen worden.

KREISE: DEUTSCHE "PATRIOT"-STAFFELN IN TÜRKEI EINSATZBEREIT

Vor der Gewalt seien allein in den vergangenen sieben Wochen mehr als 200.000 Syrer ins Ausland geflohen, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in Genf mit. An allen Grenzen reiße der Strom der Flüchtlinge nicht ab, sagte eine Sprecherin zu Reuters. "Wir fahren Doppelschichten, um alle zu registrieren." Besonders dramatisch sei die Zunahme in Jordanien und im Libanon.

Mit mehr als 160.000 Flüchtlingen ist die Türkei eines der wichtigsten Aufnahmeländer. Zum Schutz vor syrischen Angriffe hat die Nato ihrem Mitgliedsland Flugabwehrraketen zur Verfügung gestellt. Die entsandten deutschen "Patriot"-Staffeln sind Sicherheitskreisen zufolge einsatzbereit. Das Kommando über die Flugabwehr-Systeme in der Stadt Kahramanmaras sei bereits an die Nato übergegangen. Die Bundeswehr beteiligt sich mit bis zu 400 Soldaten an dem Einsatz.

Obama wandte sich in einem über Youtube verbreiteten Video mit arabischen Untertitel direkt an die Syrer und sagte eine Erhöhung der US-Hilfen um 155 auf 365 Million Dollar zu. Davon sollen Lebensmittel, Medizin und Kleidung für die Opfer des Krieges gekauft werden.

Die Kämpfe vor Ort halten ungeachtet aller internationalen Appelle an. In Deir al-Sor im Osten nahmen Rebellen nach eigenen Angaben einen Außenposten des Geheimdienstes ein. Die Eroberung mit Hilfe islamistischer Kämpfer der al-kaida-nahen Al-Nusra-Front sei nach tagelangen Kämpfen geglückt, verlautete von Aufständischen und einer Oppositionsgruppe. Mehrere Gefangene seien befreit worden.

 
A Free Syrian Army fighter points his weapon to monitor forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad at the Menagh military airport, in Aleppo's countryside January 25, 2013. REUTERS/Mahmoud Hassano