Italiens Regierung verteidigt Draghi in Paschi-Affäre

Dienstag, 29. Januar 2013, 18:59 Uhr
 

Rom/Frankfurt (Reuters) - In der Affäre um die italienische Krisenbank Monte dei Paschi bekommt EZB-Präsident Mario Draghi Rückendeckung von der Regierung in Rom.

Der Italiener ist ins Rampenlicht gerückt, weil er oberster Bankenaufseher seines Landes war, als die nebulösen Geschäfte der ältesten Bank der Welt über die Bühne gegangen sind. Wirtschaftsminister Vittorio Grilli bezeichnete die damalige Aufsicht als angemessen und aufmerksam. "Die Aufseher haben dank intensiver Arbeit abnormes Verhalten festgestellt und verhindert", sagte er bei einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss am Dienstag. Die italienische Zentralbank habe nach einer Prüfung 2010 Sanktionen gegen das Management des toskanischen Instituts verhängt. Ein Jahr später seien die Probleme aber noch nicht abgestellt gewesen. Das italienische Bankensystem bezeichnete er als stabil.

Der heutige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der von 2005 bis Ende 2011 italienischer Notenbankchef war, hatte sich am Vortag mit Grilli getroffen. Nach Reuters-Informationen haben sich die beiden über die Probleme des drittgrößten Bankhauses Italiens unterhalten. Monte dei Paschi hat durch komplexe Derivategeschäfte unter anderem mit der Deutschen Bank Verluste von etwa 720 Millionen Euro angehäuft. Mit diesen Deals sollten Löcher in der Bilanz gestopft werden. Die Zukunft der vom Staat gestützten Bank ist offen. Im Fokus steht zudem nach wie vor der neun Milliarden Euro schwere Kauf des Rivalen Banca Antonveneta 2007 - kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Der Preis gilt als deutlich zu hoch.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt Justizkreisen zufolge im Zusammenhang mit dem Antonveneta-Deal wegen Bestechung gegen Monte dei Paschi. Der erst vor einem Jahr ernannte Bankchef Fabrizio Viola hat Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung durch seine Vorgänger eingeräumt, aber Vorwürfe der Bestechung zurückgewiesen.

 
People are reflected in the window of a Monte Dei Paschi Di Siena bank in Rome January 29, 2013. REUTERS/Max Rossi