Amazon lässt mit Weihnachtsabsatz Zweifler verstummen

Mittwoch, 30. Januar 2013, 14:25 Uhr
 

San Francisco/Berlin (Reuters) - Der teure Investitionskurs zahlt sich für den weltgrößten Online-Händler Amazon aus.

Immer mehr Kunden kauften ihre Weihnachtsgeschenke online ein und fragten gleichzeitig lukrativere Dienste wie das Cloud Computing sowie E-Reader- und Tabletprodukte aus der Kindle-Familie nach. Der Betriebsgewinn schnellte im vierten Quartal um 56 Prozent in die Höhe. Anleger reagierten befreit. Die Amazon-Aktie kletterte nach Vorlage der Zahlen um neun Prozent und damit auf einen neuen Rekordwert.

Amazon setzt derzeit voll auf Wachstum und investiert ein Großteil seiner Gewinne in den Aufbau neuer Geschäftsfelder. Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber sagte am Mittwoch zu Reuters: "Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, sich zurückzulehnen und Gewinne zu saturieren. Wir müssen Geld in die Hand nehmen und investieren. Schließlich stehen wir noch am Anfang der Digitalisierung, des Webshoppings über Tablets und Smartphones sowie des Cloud Computings."

Der Betriebsgewinn im für die gesamte Branche wichtigen vierten Quartal lag bei 405 Millionen Dollar nach 260 Millionen Dollar im Vorjahr. "Es ist mehr als erwartet. Dies unterstützt die optimistische Prognose, dass Amazon sein Wachstum langfristig zu Geld machen kann", sagte Analyst R.J. Hottovy von Morningstar. Amazon-Chef Jeff Bezos hob die neue Beliebtheit von elektronischen Büchern hervor: "Wir sehen nun den Wandel, den wir erwartet haben." Das E-Book-Geschäft sei im vergangenen Jahr um 70 Prozent gewachsen. Der Kindle Fire, der seit September in Deutschland im Handel ist, gehörte im Weihnachtsgeschäft zu den meistverkauften Elektronikprodukten. Der Konzernumsatz stieg um 22 Prozent auf 21,27 Milliarden Dollar. Vor allem die Marge erfreute Analysten. Brutto stand sie bei 24 Prozent, obwohl nur 22 Prozent prognostiziert worden waren. "Unglaublich starke Margen", sagte Jordan Rohan von Stifel Nicolaus.

45 ARTIKEL IN DER SEKUNDE

In Deutschland, wo die Dimensionen des Online-Shoppings denen in den USA hinterherhinken, bestellten Kunden am 16. Dezember, dem geschäftigsten Tag im Weihnachtsgeschäft, 3,9 Millionen Artikel. "Das sind 45 Produkte in der Sekunde", sagte Kleber.

Längst agiert Amazon aber nicht mehr nur als Online-Einzelhändler. Mit dem Kindle ist der Konzern ins Hardware-Geschäft eingestiegen, und mit dem Tablet Kindle Fire macht er Apple Konkurrenz. Dank des Booms bei Tablets und Smartphones macht Amazon auch mit der Online-Videothek Lovefilm und Streaming-Angebot gute Geschäfte. Das internetbasierte Cloud Computing wird neben Privatpersonen auch von Unternehmen genutzt und gilt als sehr lukrativ.

"Wir sind auf dem richtigen Weg, nach dem Shopping-Erlebnis auch das Lesen, Filme schauen und Musik hören einfacher zu machen", setzt sich Deutschland-Chef Kleber Ziele, die an die Veränderung des von Apples iPhone initiierten Konsumentenverhaltens erinnern. Die neuen Aktivitäten wachsen schneller als die klassischen Einzelhandelsgeschäfte von Amazon.

Um die Lieferkosten zu senken und schnellere Lieferungen garantieren zu können, errichtete der Konzern neue riesige Bearbeitungszentren. In Deutschland waren es im vergangenen Jahr zwei, weltweit waren es 20 Zentren. Dies war nötig, weil auch andere Einzelhändler über die Amazon-Plattform ihre Waren anbieten können. Diese Geschäfte, an denen Amazon über Gebühren verdient, standen im vierten Quartal für mehr als ein Drittel des Absatzes des Online-Marktplatzes.

 
A zoomed illustration image of a man looking at a computer monitor showing the logo of Amazon is seen in Vienna November 26, 2012. To match Special Report TAX-AMAZON REUTERS/Leonhard Foeger (AUSTRIA - Tags: POLITICS BUSINESS