US-Notenbank bleibt auf Autopilot

Donnerstag, 31. Januar 2013, 08:04 Uhr
 

Washington (Reuters) - Die US-Notenbank Federal Reserve bleibt im neuen Jahr auf "Autopilot".

Wie die Fed am Mittwoch nach der ersten Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses 2013 in Washington mitteilte, tastet sie den seit Februar 2008 und damit seit fast drei Jahren bei faktisch null Prozent liegenden Leitzins erwartungsgemäß nicht an. Auch die massiven Aufkäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren, die die Notenbank erst im Dezember auf eine monatliche Summe von 85 Milliarden Dollar erhöht hatte, sollen wie erwartet fortgesetzt werden, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

Aktuell liegt diese bei 7,8 Prozent - noch immer weit über dem jahrelangen durchschnittlichen Niveau von vor der seit mehr als fünf Jahren dauernden Krise. Erst am Nachmittag war bekanntgeworden, dass die Wirtschaft zwischen Boston und Los Angeles im Schlussquartal 2012 völlig überraschend geschrumpft war. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Plus von 1,1 Prozent gerechnet.

WACHSTUMSPAUSE

Im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss erklärte Fed-Chef Ben Bernanke, die Wirtschaftserholung habe in den zurückliegenden Monaten pausiert, allerdings nur vorübergehend: "Das Wachstum der wirtschaftlichen Entwicklung hat eine Pause eingelegt - vor allem wegen des Wetters und anderer vorübergehender Faktoren." Ende Oktober war der Hurrikan Sandy über die Ostküste der USA gefegt und hatte vor allem in New York, der Wirtschafts- und Finanzmetropole des Landes, Verwüstungen angerichtet und zu teils wochenlangen Stromausfällen geführt - mit entsprechenden Folgen für Firmen und Haushalte.

An der Wall Street sorgten die Einschätzungen der Fed kaum für Überraschungen. Der Leitindex Dow Jones und der Index der Technologiebörse Nasdaq verharrten in leicht negativem Terrain. Auch am Devisenmarkt tat sich wenig.

UMSTRITTENER KURS

Innerhalb der Fed ist Bernankes Kurs umstrittenen, da er das Risiko eines Inflationsschubes beinhaltet, der sich entladen könnte, wenn die Wirtschaft wieder Tritt fast und die Notenbank nicht rechtzeitig gegensteuert. Zudem können die Milliarden der Fed, die ihre Bilanz auf über drei Billionen Dollar aufgebläht haben, am Immobilienmarkt eine Preisblase aufpumpen, deren Platzen die Wirtschaftserholung binnen kürzester Zeit zunichte machen würde. Andererseits würde ein abruptes Ende der Hilfe per Notenpresse die Kreditzinsen in die Höhe schnellen lassen und die ohnehin maue Konjunktur abwürgen.

Beim ersten offiziellen Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank im neuen Jahr saßen vier neue stimmberechtigte Mitglieder am Tisch: Esther George, die Chefin der regionalen Fed von Kansas City, James Bullard aus St. Louis, Charles Evans aus Chicago und Eric Rosengren aus Boston. Während Evans und Rosengren im Prinzip für die Anleihenkäufe sind, ist George gegen die laxe Geldpolitik von Fed-Chef Bernanke. Bullard, der ebenfalls eher dem Kritikerlager zuzuordnen ist, klang zuletzt überraschend zufrieden mit Bernankes Kurs.

Die Zusammensetzung des Offenmarktausschusses wechselt jedes Jahr. Gesetzt sind neben dem Präsidenten der Fed-Vorstand in Washington und der Chef der Fed von New York. Die US-Notenbank wird dieses Jahr 100 Jahre alt.

 
Chairman of the Federal Reserve Ben Bernanke listens during an open meeting of the Board of Governors of the Federal Reserve System in Washington December 14, 2012. REUTERS/Kevin Lamarque