Preisdruck in Deutschland sinkt trotz teuren Stroms

Donnerstag, 31. Januar 2013, 15:44 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz deutlich höherer Stromkosten hat der Preisdruck in Deutschland zu Jahresbeginn nachgelassen.

Waren und Dienstleistungen kosteten im Januar 1,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Von Reuters befragte Fachleute hatten mit 2,0 Prozent gerechnet. Die Inflationsrate ist damit wieder unter die wichtige Marke von zwei Prozent gefallen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. Zu Jahresbeginn wirkten sich der Wegfall der Praxisgebühr für Arztbesuche und die im Januar üblicherweise sinkenden Kosten für Pauschalreisen entlastend aus.

Im Dezember lag die Jahresteuerung noch bei 2,1 Prozent. Die beiden Monatswerte sind jedoch nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar, da die Wiesbadener Statistiker ihren Verbraucherpreisindex zur Jahreswende umgekrempelt haben: Das Basisjahr für die Berechnungen ist nun 2010 und nicht mehr wie bislang 2005. Daher liegen in diesem Monat auch ausnahmsweise keine Ergebnisse aus den Bundesländern vor, die einen Detail-Blick auf die Preisentwicklung erlauben. So lässt sich nur schwer abschätzen, auf welchen Faktoren der nachlassende Preisdruck beruht.

VERBRAUCHER MÜSSEN DEUTLICH HÖHERE STROMPREISE VERKRAFTEN

Wie gewöhnlich dürften sich im Januar Pauschalreisen, Hotelübernachtungen sowie Textilien verbilligt haben, meint Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. Nach Berechnungen ihres Hauses stiegen zugleich die Strompreise im Vergleich zum Dezember um acht Prozent. Die Volkswirte von Unicredit veranschlagen sogar ein Plus von zehn Prozent. Unter Verweis auf die höhere staatliche Abgabe zur Ökostromförderung haben viele Versorger ihren Strom verteuert. Nach einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox.de liegt der Aufschlag bei einem Durchschnittsverbrauch einer drei- bis vierköpfigen Familie von 4000 Kilowattstunden im Schnitt bei 12,2 Prozent.

Die Teuerungsrate in Deutschland dürfte dennoch im Januar unter dem Niveau in der Euro-Zone liegen: Für die am Freitag anstehenden Daten aus Brüssel erwarten Fachleute ein Plus von 2,2 Prozent. Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB hält die Inflationsrate im Währungsraum jedoch nicht für besorgniserregend: "Diese wird derzeit weiterhin durch Einmaleffekte wie die Erhöhung indirekter Steuern in Spanien getrieben und überzeichnet daher den Preisdruck im Euro-Raum."