Ex-VW-Manager Neumann soll Opel aus Krise führen

Donnerstag, 31. Januar 2013, 16:49 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Karl-Thomas Neumann übernimmt einen der schwierigsten Jobs in der Autobranche: Der ehemalige VW-Manager soll ab dem 1. März den kriselnden Hersteller Opel in die Gewinnzone führen.

Der Aufsichtsrat der General-Motors-Tochter berief den 51-Jährigen am Donnerstag zum neuen Vorstandschef. Nichts weniger als einen der "erfolgreichsten Turnarounds in der europäischen Automobilgeschichte" erwarten der Chef des Mutterkonzerns, Dan Akerson, und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky von Neumann. "Opel/Vauxhall spielt eine Schlüsselrolle für den weltweiten Erfolg von General Motors", erklärte Akerson.

Der neue Opel-Lenker kennt die Autobranche wie seine Westentasche. Er war zuvor Chef des Zulieferers Conti und Manager bei Europas Marktführer Volkswagen. Auch über Europa hinaus soll Neumann bei GM Akzente setzen: "Er wird eine Schlüsselrolle in der weltweiten Führung von GM spielen", erklärte der Konzern am Donnerstag.

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Opel steht vor einem Berg von Problemen. Der neue Chef muss die chronische Verluste schreibende Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz und ihre britische Schwester Vauxhall in den nächsten Jahren aus einem tiefen Tal führen, in dem sie trotz zahlreicher Sanierungsbemühungen mehrerer Vorgänger immer noch steckt. "Ich weiß, dass es eine anspruchsvolle Aufgabe sein wird", erklärte Neumann. In der langen Reihe der Opel-Chefs seit den 1970er Jahren ist er die Nummer 17.

Von Gewerkschaftsseite bekam Neumann Vorschusslorbeeren. "Die IG Metall begrüßt die Bestellung von Karl-Thomas Neumann zum Vorsitzenden des Vorstands der Adam Opel AG. Opel braucht und bekommt nun eine neue Führung und damit die Chance, die Unternehmensstrategie den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen anzupassen", erklärte Armin Schild, Bezirksleiter IG Metall Bezirk Mitte. Die Gewerkschaft, die sich mit dem Opel-Management seit geraumer Zeit einen Kampf um den Fortbestand des Bochumer Werks liefert, erwartet sich vom neuen Opel-Chef aber einen "Kulturwandel". "Die Zeiten müssen endlich vorbei sein, in denen Opel gegen den Rat und den Widerstand von Belegschaften, Betriebsräten und IG Metall agiert hat", schrieb Schild seinem künftigen Verhandlungspartner ins Stammbuch.

In den vergangenen Monaten hatte es bereits mehrere Wechsel im Management gegeben. Zuletzt war Vertriebschef Walter Rieck nach nur wenigen Monaten bei Opel ausgeschieden. Dem ehemaligen VW-Manager war nicht gelungen, die Absatzrückgang zu stoppen. Opel wurde zuletzt übergangsweise von dem Sanierungsexperten Thomas Sedran geleitet, der diesen Posten zusätzlich zu seiner Aufgabe als Strategievorstand übernommen hatte. Diese Rolle soll Sedran behalten.

Opel macht die Absatzmisere in Südeuropa besonders schwer zu schaffen, weil dem Unternehmen ein Vordringen in andere, lukrativere Regionen von der Konzernmutter weitgehend verwehrt wird. Opel kann die Produktion nach Gewerkschaftsangaben nur zu 50 Prozent auslasten, wodurch die Kosten das Unternehmen zu erdrücken drohen. Für das vergangene Jahr werden das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen und seine britische Schwestermarke Vauxhall wohl Verluste von bis zu 1,4 Milliarden Euro an die Konzernmutter in Detroit melden.

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