Daimler macht Einstieg bei chinesischem Partner perfekt

Freitag, 1. Februar 2013, 17:44 Uhr
 

München (Reuters) - Der Autobauer Daimler will sein lahmendes China-Geschäft mit einer millionenschweren Beteiligung ankurbeln.

Die Schwaben kaufen sich wie erwartet bei ihrem chinesischen Partner BAIC ein. Für 640 Millionen Euro übernehmen sie einen Anteil von zwölf Prozent an der Pkw-Sparte der Chinesen. Die Chefs der beiden Konzerne, die über ein Gemeinschaftsunternehmen miteinander verbunden sind und seit 2006 gemeinsam Autos bauen, unterzeichneten am Freitag in Stuttgart ein Abkommen. Daimler und BAIC zündeten nun "die nächste Stufe in unserer Zusammenarbeit", um langfristig die Wachstumschancen in China zu nutzen, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Im größten Pkw-Markt der Welt muss der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller rasch zur Konkurrenz aufschließen, wenn er sich bis spätestens 2020 wieder an die Spitze des Premiumsegments setzen will.

Wie Daimler am Freitag weiter mitteilte, läuft die Beteiligung an BAIC über die Ausgabe neuer Aktien, die die Stuttgarter erhalten. Die Pkw-Sparte der Chinesen soll 2013 oder 2014 an die Börse gebracht werden. Die Schwaben setzen auf einen Kursanstieg. Der Vertrag zwischen den Unternehmen sieht vor, dass Daimler zwei Sitze im Verwaltungsgremium von BAIC Motor bekommt. Am Joint Venture hält BAIC künftig 51 Prozent - bislang waren es 50 Prozent. Der Daimler-Konzern wiederum erhöht seinen Anteil an der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft um einen Prozentpunkt auf 51 Prozent. Zetsche sprach von einem deutlichen Ausbau der guten Beziehung zu BAIC und einem langfristigen Bekenntnis der Partner. Der Chef des chinesischen Autobauers, Xu Heyi, sagte, Daimlers Investition werde die Entwicklung von BAIC Motor und seiner Marke Beiqi deutlich voranbringen. "Gleichzeitig erhält die Geschäftsentwicklung von Mercedes-Benz in China weiteren Schwung."

In der Volksrepublik wurden zuletzt so viele Autos verkauft wie in keinem anderen Land. Zudem sind die Renditen deutlich höher als in anderen Märkten. Der Erfolg auf dem größten Pkw-Markt der Welt ist für die Hersteller maßgeblich, um sich im lukrativen Premiumsegment weltweit an die Spitze setzen zu können. Platzhirsch ist seit 2005 unangefochten BMW. Daimler will mit seiner Nobelmarke Mercedes bis 2020 die verlorene Führungsposition wieder zurückerobern.

In China, wo bei der zahlungskräftigen chinesischen Kundschaft vor allem teure deutsche Limousinen und Geländewagen gefragt sind, verkauft Audi mit weitem Abstand die meisten Oberklasse-Fahrzeuge. Mercedes schaffte dort zuletzt nur ein winziges Plus, weil sich die Schwaben mit Produktionspausen, Lieferproblemen und doppelten Vertriebsstrukturen selbst Steine in den Weg legten.

Nach Ansicht von Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sucht Daimler "jetzt Wege, in China erfolgreich zu sein". Der Einstieg bei BAIC sei "ein guter Schachzug". Der Stuttgarter Konzern beteilige sich so am Marktwachstum in China und bekomme indirekt auch mehr Einfluss auf das eigene Geschäft. Es sei "nicht dumm", sich an einem Partner zu beteiligen, mit dem man zusammen eine Produktion betreibt.

Daimler und BAIC produzieren in ihrem Gemeinschaftsunternehmen BBAC seit 2006 Autos in Peking. Das erste dort gefertigte Modell war der Vorgänger der E-Klasse. 2008 lief als zweite Baureihe die C-Klasse an, seit 2010 wird eine - bei chinesischen Kunden beliebte - Langversion der E-Klasse gebaut. Experte Pieper verwies auf die guten Wachstumsperspektiven in China. Ein Investment bei einem Autobauer vor Ort sei deshalb sinnvoll. Daimler ist nach eigenen Angaben das erste ausländische Automobilunternehmen, das sich an einem chinesischen Hersteller beteiligt. Das Abkommen der beiden Konzerne muss noch von chinesischen Behörden genehmigt werden. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erwartet.

Unterdessen wurde erneut über einen möglichen Einstieg des chinesischen Staatsfonds CIC bei Daimler spekuliert. Die "Wirtschaftswoche" berichtet mit Verweis auf Konzernkreise vorab, CIC halte knapp drei Prozent an dem Autobauer, weitere Erhöhungen des Anteils seien nicht ausgeschlossen. Ein Daimler-Sprecher sagte dazu: "Es gibt in dieser Sache überhaupt nichts Neues, und wir kommentieren grundsätzlich keine Spekulationen über Aktionäre." CIC hält nach früheren Insiderangaben ungefähr ein Prozent an Daimler. Zetsche hatte Mitte Januar gesagt, der Konzern führe derzeit keine Gespräche mit dem Staatsfonds. Ihm sei auch nichts darüber bekannt, ob CIC einen Anteil erwerben wolle. In Medienberichten war zuvor über eine Beteiligung zwischen vier und zehn Prozent spekuliert worden.

 
Gary Yu, employee at the Beijing Automotive Industry Holding Company Ltd. and Tong Zhi Yuan (L), Executive Vice Preident of Beijing Jeep Corporations Ltd., sit in a Mercedes Benz limousine ahaed of a joint venture signing ceremony at a Mercedes Benz plant in Bremen November 26, 2004. REUTERS/Christian Charisius