Kreise: PC-Pionier Dell steht kurz vor der Übernahme

Freitag, 1. Februar 2013, 14:39 Uhr
 

New York (Reuters) - Der schwächelnde PC-Pionier Dell steht offenbar kurz vor der Übernahme durch seinen Gründer und Chef Michael Dell sowie den Finanzinvestor Silver Lake.

Der Multi-Milliarden-Deal solle über das Wochenende festgezurrt und vielleicht schon am Montag verkündet werden, sagten zwei Insider am Freitag. Demnach soll Michael Dell die Mehrheit an dem inzwischen nur noch drittgrößten PC-Hersteller übernehmen, der an der Börse mit rund 23 Milliarden Dollar bewertet ist. Silver Lake und Microsoft würden Minderheitsaktionäre, sagte ein dritter Insider. Das Geschäft wäre der größte fremdfinanzierte Firmenkauf seit der weltweiten Finanzkrise. Ziel ist, Dell von der Börse zu nehmen und dadurch mehr Zeit für eine Neuausrichtung zu gewinnen. Dell-Aktien stiegen am Freitag um sechs Prozent.

Schon vor Wochen hatte es in Kreisen geheißen, Dell verhandele über einen solchen Auskauf. Damals hatten Experten aber erhebliche Zweifel geäußert, ob die Käufer das Geld dafür zusammenbekommen.

Letzte Details müssten noch geklärt werden, was den Abschluss verzögern könne, hieß es am Freitag in mit der Sache vertrauten Kreisen. Silver Lake habe sich zur Finanzierung seines Anteils bis zu elf Milliarden Euro Kapital von den Investmentbanken Barclays , Bank of America Merrill Lynch, Credit Suisse und RBC Capital gesichert. Barclays berate Silver Lake zudem, zusammen mit Perella Weinberg Partners, sagten zwei der Insider. Firmenchef Dell werde seinen Anteil von 16 Prozent in das Geschäft einbringen und dafür die Mehrheit erhalten.

Weder Dell, Microsoft noch Barclays wollten sich äußern. Silver Lake und Perella Weinberg waren nicht zu erreichen.

DEAL ZU GROSS?

Seit einiger Zeit versucht sich Dell neu aufzustellen - als Anbieter von renditestarken Dienstleistungen und Computern für Unternehmenskunden. Als Vorbild dient der IT-Gigant IBM, der sein PC-Geschäft einst an Lenovo verkaufte, sich auf Großrechner und IT-Services verlegte und damit erfolgreich ist. Ein solcher Wandel braucht aber Zeit, und auch klassische Hardwarehersteller versuchen auf den Trend aufzuspringen. Für viele Privatkunden sind die Angebote der traditionellen PC-Hersteller ohnehin unattraktiv geworden. Tablets und Smartphones von Apple oder Samsung haben inzwischen deutlich an Popularität gewonnen.

Schon 2010 hatte Michael Dell auf einer Investorenkonferenz erklärt, er habe erwogen, Dell von der Börse zu nehmen. Die Transformation von Dell sei "unvollständig", bedauerte er seinerzeit. Die Aussagen hatten bereits damals Spekulationen über eine Übernahme ausgelöst, allerdings überwogen an der Wall Street die Zweifel, ob ein Deal dieser Größe wegen des immensen Finanzbedarfs machbar wäre.

DELL VERLIERT KONTINUIERLICH AN BODEN   Fortsetzung...

 
A man wipes the logo of the Dell IT firm at the CeBIT exhibition centre in Hannover February 28, 2010.