Bankenverband lehnt Trennbankensystem ab und sieht höhere Preise

Samstag, 2. Februar 2013, 15:36 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Bankenverband hat sich erneut für die Universalbanken starkgemacht und einer Trennung des risikoreichen Investmentbankings von den Kundeneinlagen eine Absage erteilt.

"Ich glaube nicht, dass ein Trennbankensystem uns weiter bringt", sagte der scheidende Präsident des deutschen Bankenverbands, Andreas Schmitz, der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe). "Die Krise hat vor allem gezeigt, dass Universalbanken oftmals stabiler sind als Spezialbanken." Denn so seien vor allem Spezialanbieter wie Lehman Brothers, Northern Rock oder der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate in Schieflage geraten. "Trennbanken sind nicht das Richtige für Kontinentaleuropa", sagte Schmitz, der im April sein Amt an Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen übergeben wird.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesfinanzministerium einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der Großbanken wie etwa die Deutsche Bank zwingt, den als spekulativ eingestuften Handel auf eigene Rechnung und Geschäfte mit Finanzinvestoren in einer getrennten Einheit zu betreiben. Dabei lehnt sich die Regierung an Vorschläge einer Experten-Kommission um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen an, geht aber nicht so weit wie dieser. Mit den Maßnahmen will der Bund die deutschen Sparer besser vor riskanten Geschäften der Banken schützen.

Sollten die Liikanen-Vorschläge umgesetzt werden, dann werden nach Einschätzung von Schmitz für die deutschen Kunden die Preise steigen. "Sie müssten künftig für die Dienstleistungen ihrer Hausbank und einer Spezialbank zahlen", sagte er. Vor allem Firmenkunden bräuchten diverse Investmentdienstleistungen wie Wechselkursabsicherungen. "Das gebe es dann nicht mehr aus einer Hand", merkte Schmitz an.

Die Deutsche Bank sieht die Vorschläge des Bundesfinanzministeriums ebenfalls mit Sorge. Die Pläne seien beunruhigend, hatte Co-Chef Anshu Jain am Donnerstag bei der Präsentation der Jahreszahlen in Frankfurt gesagt. "Wir haben definitiv keinen Grund zum Feiern."

Nach Ansicht von Schmitz haben die Banken durchaus ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen. "Sie halten mehr Eigenkapital vor, die Risikokontrolle ist viel besser geworden und die Banker setzen ihren gesunden Menschenverstand wieder öfter ein. Außerdem sind die Vergütungssysteme angepasst worden."

 
The skyline with the German Commerzbank headquarters (2nd L) is pictured under a cloudy sky in downtown Frankfurt November 7, 2012. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS)