Streik bei E.ON abgesagt - Chance auf Einigung in Sicht

Sonntag, 3. Februar 2013, 12:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der erste unbefristete Streik beim Energiekonzern E.ON ist vorerst abgewendet.

In einem Spitzengespräch am Freitagabend loteten die Tarifpartner den Weg zu einer Einigung aus, wie die Gewerkschaft Verdi am Samstag mitteilte. "Ich sehe uns auf einem guten Weg und halte eine kurzfristige Einigung nunmehr für möglich", sagte E.ON-Personalchefin Regine Stachelhaus. Verdi erklärte, die Tarifparteien hätten in dem Gespräch eine ergebnisorientierte Position erarbeitet, über die aber zunächst Stillschweigen vereinbart worden sei.

Die zentrale Arbeitskampfleitung der Gewerkschaft habe daher nun beschlossen, den Arbeitskampf bis Sonntag, 10. Februar, auszusetzen. Die gemeinsame Tarifkommission von Verdi und IG BCE werde am kommenden Mittwoch beraten und über eine Wiederaufnahme der Verhandlungen auf Basis der besprochenen Positionen entscheiden.

Wegen des Tarifstreits hatte Verdi-Verhandlungsführer Volker Stüber am Freitag angekündigt, am Montag mit dem Ausstand beginnen zu wollen. Die Gewerkschaften fordern für die rund 30.000 Beschäftigten von E.ON in Deutschland 6,5 Prozent mehr Lohn. Die vom Energieriesen zuletzt gebotenen 1,7 Prozent nannte er eine Zumutung. Als Voraussetzungen für neue Gespräche hatte Stüber ein konkretes Angebot gefordert. "Die Zahl muss stehen." Zudem müsse sich E.ON bei den geforderten besseren Regelungen zur Übernahme der Auszubildenden bewegen. Der Gewerkschafter deutete zugleich Kompromissbereitschaft an. "6,5 Prozent ist nicht das letzte Wort." Eine Mindesthöhe wollte er aber nicht nennen. "Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug."

Zuvor hatten sich bei der Urabstimmung über 90 Prozent der Verdi- und IG BCE-Mitglieder für den Arbeitskampf ausgesprochen. Auch Kraftwerke sollten bestreikt werden. Verdi zufolge wäre der Streik der erste in der privaten Energiewirtschaft der Bundesrepublik überhaupt. Wegen des sicheren Geschäfts mit Strom und Gas verdienten die Beschäftigten bei den Versorgern jahrelang gutes Geld und profitierten von vergleichsweise hohen Sozialleistungen. Inzwischen herrscht bei den Konzernen wegen des größeren Wettbewerbs, des Atomausstiegs und sinkender Großhandelspreise Krisenstimmung.

 
The headquarters of German utility giant E.ON is pictured before the annual news conference in Duesseldorf March 14, 2012. E.ON, Germany's top utility, expects its renewable energy business and foreign expansion to help lift core profit this year and next after Germany's decision to phase out nuclear power led to a net loss for 2011. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO