Iranischer Präsident will erstmals nach Ägypten reisen

Sonntag, 3. Februar 2013, 15:43 Uhr
 

Kairo (Reuters) - Erstmals seit der islamischen Revolution von 1979 wird mit Mahmud Ahmadinedschad ein iranisches Staatsoberhaupt nach Ägypten reisen.

Ahmadinedschad werde in der kommenden Woche die Delegation seines Landes bei dem Gipfeltreffen islamischer Länder in Kairo anführen, erklärte die iranische Interessenvertretung in Kairo am Wochenende, die der Iran statt einer Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt unterhält. Deren Chef Amani Modschtaba sagte Reuters, er hoffe auf eine vollständige Normalisierung der Beziehungen. Nach tagelangen Protesten gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi mit fast 60 Toten heizt unterdessen das Video eines verprügelten Mannes die Stimmung gegen die Staatsmacht in dem nordafrikanischen Land an.

Eines der wichtigsten Themen des Ahmadinedschad-Besuches dürfte der Bürgerkrieg in Syrien sein. Hier hat Ägypten - wie in vielen anderen Fragen - eine andere Haltung als die Islamische Republik: Mursi ist einer der schärfsten Kritiker des um seine Macht kämpfenden syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Der Iran unterstützt dagegen Assad. Dennoch haben sich beide Länder im Zuge des "Arabischen Frühlings" angenähert. Beim Besuch des Islamisten Mursi im vergangenen August im Iran vereinbarten beide Länder die Wiedereröffnung der Botschaften. Die Regierung in Teheran hatte die Beziehungen 1980 kurz nach der Revolution im eigenen Land und dem ägyptischen Friedensvertrag mit dem iranischen Erzfeind Israel abgebrochen. Immer wieder hatten beide Länder in der Folge ihre gegenseitige Ablehnung deutlich gemacht. So wurde im Iran eine Straße nach dem Attentäter benannt, der den ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat getötet hatte. Ägypten wiederum gewährte dem ins Exil vertriebenen iranischen Schah Resa Pahlawi Asyl und ein Staatsbegräbnis.

In Ägypten kommt es derzeit zu gewaltsamen Protesten gegen die Regierung Mursi. Zusätzliche Nahrung erhielten Demonstranten durch ein Video, das Bereitschaftspolizisten beim Verprügeln eines Mannes während eines Protestes am Freitag zeigt. Die Bilder zeigen, wie der Mann nackt über den Boden geschleift und mit Schlagstöcken traktiert wird. Im offenen Widerspruch dazu wies der Verprügelte, der in einem Polizeikrankenhaus behandelt wird, die Schuld für den Vorfall den Demonstranten zu. Die Regierung kündigte eine Untersuchung des Falles an. Mursi hatte erst vor wenigen Tagen Deutschland besucht und dabei die geforderte Allparteienregierung abgelehnt.

 
Iran's President Mahmoud Ahmadinejad leaves after a meeting with Vietnam's National Assembly's Chairman Nguyen Sinh Hung in Hanoi November 10, 2012. REUTERS/Kham