Hannover Rück bereitet Branche auf schwieriges Jahr vor

Montag, 4. Februar 2013, 15:55 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Die großen Rückversicherer spüren in diesem Jahr mehr Gegenwind.

Das zeigen die Zahlen zur Erneuerungsrunde im Januar, die die Hannover Rück als weltweite Nummer Drei am Montag vorlegte. Sie konnte nur moderate Preiserhöhungen durchsetzen. "Wir stellen insgesamt fest, dass wir einen zunehmenden Wettbewerb haben", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin. Einerseits seien mehr Anbieter im Markt, andererseits wählten Erstversicherer einen größeren Selbstbehalt, gerade in Deutschland. "Für uns wird es deshalb schwieriger, das Wachstum so fortzusetzen. Wir spüren einen gewissen Druck."

Zum Jahreswechsel steht traditionell ein Großteil der Verträge in der Schadenversicherung zur Neuverhandlung mit den Kunden an, denen die Rückversicherer einen Teil der Risiken etwa von Hurrikans und Erdbeben abnehmen. Bei der Hannover Rück waren es rund zwei Drittel der Schaden-Rückverträge. Hier zeichnete die Talanx-Tochter ein Prozent mehr Geschäft als ein Jahr zuvor, womit das Prämienvolumen auf rund 3,82 Milliarden Euro stieg. Groß pokern konnte Hannover Rück dabei jedoch nicht: Selbst bei den margenstärkeren nicht-proportionalen Verträgen - bei denen der Rückversicherer erst ab einer bestimmten Schadenshöhe einspringt und nicht vom ersten Euro an - konnte der Konzern im Schnitt nur eine Preiserhöhung um 0,5 Prozent durchsetzen.

In den einzelnen Regionen und Sparten gab es allerdings große Unterschiede: So wuchs das Nordamerika-Geschäft um 14 Prozent. In den dortigen schadenbetroffenen Sparten wurden nach Hurrikan "Sandy", der im Oktober im Nordosten der USA wütete, sogar Preissteigerungen zwischen zehn und 30 Prozent erreicht. In Deutschland sank das Prämienvolumen dagegen leicht.

Vorstandschef Wallin sprach von einem insgesamt "zufriedenstellenden" Ergebnis. Das dürfte auch für den Branchenführer Münchener Rück gelten, der an diesem Dienstag Einblick in seine Erneuerungsrunde gibt und zudem Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegt. Analystenschätzungen zufolge hat der Konzern den angepeilten Nettogewinn von rund drei Milliarden Euro 2012 erreicht. Anleger blieben zu Wochenauftakt trotzdem an der Seitenlinie: Hannover-Rück-Aktien und Papiere der Münchener Rück büßten jeweils 0,3 Prozent ein, während der Gesamtmarkt unverändert notierte.

GEWINNZIEL BESTÄTIGT

Analysten honorierten bei der Hannover Rück, dass der Konzern trotz des schwierigeren Umfelds nicht an seinen Zielen rüttelt. Für das Gesamtjahr 2013, also inklusive der unterjährigen Erneuerungsrunden, gehen die Niedersachsen für die Schaden-Rückversicherung weiter von einem Prämienwachstum von drei bis fünf Prozent aus, das gesamte Bruttoprämienvolumen soll um fünf Prozent zulegen. Das Großschaden-Budget steigt in diesem Jahr auf 625 (2012: 560) Millionen Euro. "Sandy", der mit Abstand größte Einzelschaden des vergangenen Jahres, hatte die Hannover Rück nach Angaben vom Januar netto 238 Millionen gekostet.

Trotzdem stellt Hannover Rück für 2012 nach wie vor einen Gewinn von mehr als 800 Millionen Euro in Aussicht. Das wäre ein neues Rekordergebnis, die vollständigen Zahlen werden am 7. März erwartet. Für 2013 geht Wallin weiter eher von 800 Millionen Euro aus. Die zurückhaltende Prognose begründete er neben dem härteren Wettbewerb auch mit dem anhaltend niedrigen Zinsen, was das Anlageergebnis belaste. "Wir haben deshalb aber nicht vor, riskanter anzulegen", betonte er. Die Aktienquote liege aktuell bei unter einem Prozent, Tendenz stabil.