Hiobsbotschaften aus Südeuropa belasten Finanzmärkte

Montag, 4. Februar 2013, 18:51 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Sorgen um die politische Stabilität Spaniens und Italiens haben den Finanzmärkten am Montag massiv zugesetzt.

Auch die Quartalszahlen der Commerzbank sorgten für eine herbe Enttäuschung unter Anlegern. Der Dax beendete den Handel 2,5 Prozent im Minus bei 7638,23 Punkten und schloss damit auf dem niedrigsten Stand seit Ende Dezember. Händler machten charttechnische Faktoren und Gewinnmitnahmen dafür verantwortlich, dass der deutsche Leitindex seine Talfahrt am Nachmittag beschleunigte. Nach Ansicht von Aktienstratege Yves Maillot von Natixis Asset Management sollte der Kurssturz an den Börsen aber eher als ein Luftholen der Investoren verstanden werden und weniger als Beginn eines Ausverkaufs.

Die Titel der Commerzbank waren mit einem Minus von 5,9 Prozent die größten Verlierer im Dax. Der Euro entfernte sich von seinen zuletzt erreichten Höchstständen und fiel unter die Marke von 1,36 Dollar, die Renditen der Anleihen aus Peripherie-Länder zogen an. Der Bund-Future legte um 69 Ticks auf 142,70 Zähler zu.

Dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy wird vorgeworfen, jahrelang Zahlungen aus Schmiergeldkassen erhalten zu haben. Der Chef der oppositionellen Sozialisten, Alfredo Perez Rubalcaba, forderte Rajoy zum Rücktritt auf. Der Leitindex in Madrid brach um 3,8 Prozent ein.

In Italien wird die Affäre um die Traditionsbank Monte Paschi zunehmend zu einem Thema der Innenpolitik. Anleger fürchten, dass die Affäre dem vom ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geführten Mitte-Rechts-Bündnis Auftrieb gibt. Ende des Monats soll gewählt werden. Angeführt von deutlichen Kursverlusten bei den Finanzwerten stürzte der italienische Leitindex um 4,5 Prozent ab. UniCredit, Banco Popolare und Monte Paschi verloren zwischen 8,3 und 4,3 Prozent. "Sowohl in Spanien als auch in Italien würden etwaige Regierungswechsel den eingeschlagenen Reform- und Konsolidierungskurs zur Disposition stellen", begründete Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets die Nervosität der Anleger. Der EuroStoxx50 gab drei Prozent auf 2629 Punkte nach.

An der Wall Street konnten die Indizes ihre am Freitag erreichten Fünf-Jahres-Hochs ebenfalls nicht halten. Der Dow Jones mit den 30 Standardwerten fiel um 0,79 Prozent auf 13.884 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sank um ein Prozent auf 1498 Zähler. Der Nasdaq gab 1,3 Prozent auf 3139 Punkte ab. In New York sorgten auch die Daten zu den Aufträgen für die US-Industrie für Verstimmung, die im Dezember geringer ausfielen als angenommen.

EURO ENTFERNT SICH VON 1,37-DOLLAR-MARKE

Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise auf 1,35434 Dollar zurück, nachdem sie am Freitag noch bei 1,3711 Dollar notiert hatte. Die Renditen der zehnjährigen spanischen und italienischen Renditen zogen auf 5,454 und 4,513 Prozent an. Zu Wochenschluss hatten sie jeweils bei 5,215 und 4,330 Prozent gelegen.

Zusätzlich belastet wurde die Stimmung von den weiter steigenden Arbeitslosenzahlen in Spanien: 4,98 Millionen waren dort im Januar ohne Job - im Vergleich zum Dezember sind das gut 132.000 Menschen mehr. Die Probleme vieler Peripherie-Länder seien zuletzt ignoriert worden, sagte ein Händler. "Aber es war absehbar, dass das nicht lange gut gehen würde."

Am deutschen Aktienmarkt gaben die Aktien der Commerzbank auf 1,51 Euro nach und waren damit so billig wie seit Anfang Januar nicht mehr. Sonderabschreibungen belasteten das Geldhaus mit fast einer Milliarde Euro, weshalb 2012 unter dem Strich nur ein Gewinn von sechs Millionen Euro übrig blieb. Ein Jahr zuvor waren es noch 638 Millionen gewesen. Im vierten Quartal allein verbuchte die Bank 720 Millionen Euro Verlust. Händlern zufolge hofften einige Anleger, dass die Commerzbank ähnlich wie die Deutsche Bank ihre Bilanz nun um die meisten Problemfelder bereinigt habe. Angesichts der schlechten Gesamtstimmung am Markt helfe das der Commerzbank-Aktie aber nicht. Die Titel der Deutschen Bank verloren 3,4 Prozent. Von den 30 Dax-Werten schlossen lediglich die Anteilsscheine von Fresenius mit 0,6 Prozent im Plus.

 
A trader speaks on a phone as he stands below the DAX board at the Frankfurt stock exchange February 4, 2013. REUTERS/Remote/Janine Eggert (GERMANY - Tags: BUSINESS)