US-Regierung verklagt Rating-Agentur S&P

Dienstag, 5. Februar 2013, 09:54 Uhr
 

New York (Reuters) - Die US-Regierung hat eine Klage gegen die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) und deren Muttergesellschaft McGraw-Hill eingereicht.

Beanstandet werden Bonitätsnoten für mit Hypotheken abgesicherte Anleihen aus dem Jahr 2007, also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Angestrebt werden zivilrechtliche Strafzahlungen, wie aus den eingereichten Gerichtsunterlagen hervorgeht. Die US-Regierung geht damit - zum Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Barack Obama - erstmals juristisch gegen eine der am Kapitalmarkt sehr einflussreichen Rating-Agenturen vor. Zahlreiche Bundesstaaten könnten sich anschließen, eventuell auch private Anleger und Unternehmen. An der Börse zeigten sich Investoren bereits verunsichert: McGraw-Aktien büßten am Montag, als mit der Klage gerechnet wurde, knapp 14 Prozent ein. Die Papiere des Rivalen Moody's gaben fast elf Prozent nach.

Noch ist unklar, warum sich die US-Regierung nur gegen S&P und nicht gegen Moody's und Fitch wendet, die im Zusammenhang mit der weltweiten Finanzkrise ebenfalls stark kritisiert wurden. Den Agenturen wird vorgeworfen, Tausende Wertpapiere, die sich später als Schrott-Papiere erwiesen, zu positiv eingeschätzt zu haben. Nachdem die Krise mit Problemen am US-Immobilienmarkt ausbrach, wurden die Noten dann rasch heruntergestuft - und die Krise dadurch noch verstärkt. Jura-Professor Jeffrey Manns von der George Washington Universität sagte, die Klage sei bedeutend, weil sich andere Bundesstaaten und - noch schlimmer für S&P & Co - private Anleger anschließen könnten.

 
The Standard and Poor's building in New York, August 3, 2012. REUTERS/Charles Platiau