Münchener Rück steckt Hurrikan "Sandy" locker weg

Dienstag, 5. Februar 2013, 13:04 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Wirbelsturm "Sandy" hat die Münchener Rück nicht ins Wanken gebracht.

2012 fuhr der Weltmarktführer einen Nettogewinn von 3,2 (Vorjahr 0,7) Milliarden Euro ein und übertraf damit seine erst im Herbst nach oben geschraubten Ziele. "Unser Kerngeschäft in der Erst- und Rückversicherung ist gesund, die Schadenbelastung aus Großschäden war leicht unterdurchschnittlich", erklärte Finanzchef Jörg Schneider am Dienstag. "Sandy" war die einzige größere Belastung. Der Hurrikan hatte im Oktober im Osten der USA und vor allem in New York gewütet - die Schäden kosteten die Münchener Rück 800 Millionen Euro. Von dem Milliarden-Gewinnsprung sollen auch die Aktionäre etwas haben: Die Dividende fällt mit sieben Euro je Aktie unerwartet üppig aus, es gibt 75 Cent mehr als im Vorjahr.

Entsprechend groß war der Jubel der Anleger. Die Münchener-Rück-Aktie setzte sich mit einem Plus von über zwei Prozent auf 136,95 Euro an die Dax-Spitze. Ebenso stark legten in Zürich die Papiere des Konkurrenten Swiss Re zu, der seine Zahlen am 21. Februar präsentiert.

Branchenexperten schätzen die Schäden von "Sandy" weltweit auf 50 Milliarden Dollar, für die Hälfte müssen Versicherer geradestehen. Es war die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe in einem ansonsten schadenarmen Jahr 2012 - und der zweitteuerste Sturm überhaupt nach "Katrina" 2005. Von der deutschen Assekuranz schluckt die Münchener Rück den größten Brocken. Die Allianz bezifferte den Schaden von "Sandy" unlängst auf 455 Millionen Euro, Bei der Hannover Rück blieben 238 Millionen hängen.

SCHWIERIGER PREISPOKER

Hatten bei der Münchener Rück Großschäden ein Jahr zuvor mit 4,5 Milliarden Euro noch einen Großteil des Gewinns aufgefressen, lag die Gesamtbelastung 2012 nur bei 1,3 Milliarden. Wenn es weniger Naturkatastrophen gibt, fällt es den Rückversicherern allerdings schwerer, höhere Preise bei ihren Kunden, den Erstversicherern, durchzusetzen. Die Münchener Rück rechnet deshalb bei der Erneuerung der Verträge im weiteren Jahresverlauf nicht mit einem Anstieg der Prämien. Auch bei der jüngsten Erneuerung von etwas mehr als der Hälfte des Schaden- und Unfallgeschäfts zum 1. Januar musste sich der Konzern wegen des intensiven Wettbewerbs mit Mini-Preiserhöhungen von durchschnittlich 0,5 Prozent zufriedengeben.

Viel Geld warfen im abgelaufenen Jahr die am Kapitalmarkt investierten Policeneinnahmen ab - trotz des Niedrigzinsumfeldes. Der Gewinn aus Kapitalanlagen sprang um ein Viertel auf 8,4 Milliarden Euro, was einer Rendite von 3,9 Prozent entspricht. Details zur Anlagestrategie nannte die Münchener Rück nicht, näheren Aufschluss darüber könnte es auf der Bilanzpressekonferenz am 12. März geben. Insgesamt lag die Rendite auf das risikogewichtete Kapital - die interne Zielgröße - mit 13,2 Prozent über der angepeilten Marke von zehn Prozent. "2012 hat uns vorangebracht, und wir konnten unsere Kapitalausstattung weiter stärken", sagte Schneider.

ZWEI BAUSTELLEN

Über zwei Baustellen kann das starke Konzernergebnis aber nicht hinwegtäuschen: Nach dem Lustreisen-Skandal bei der Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo werden dort gerade aus fünf Vertriebsorganisationen zwei gemacht. Dadurch fallen 1300 Stellen bei angestellten Vertretern und im Innendienst weg, die Kosten dafür veranschlagte Ergo am Dienstag auf 130 Millionen Euro. Deshalb verfehlte das Unternehmen mit einem Jahresgewinn von 290 (350) Millionen Euro die Zielmarke von 400 Millionen deutlich.

Vor tiefgreifenden Einschnitten steht auch die US-Tochter Windsor Health, die den Kern des neuen, kleinsten Geschäftsfelds Munich Health bildet. Der Krankenversicherer verfehlte 2012 den angepeilten Gewinn und hat ein Sparprogramm aufgesetzt. Auch in diesem Jahr kann ein Verlust für Munich Health nicht ausgeschlossen werden, der aber geringer ausfallen soll als die 90 Millionen Euro des vergangenen Jahres.

Eine Prognose für das Konzernergebnis 2013 nannte die Münchener Rück am Dienstag nicht. Zuletzt hatte Schneider gesagt, es werde wohl schwierig, das Niveau von 2012 zu halten.