Libor-Skandal sorgt bei UBS für Milliarden-Verlust

Dienstag, 5. Februar 2013, 14:10 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Der Libor-Skandal und Kosten für den Abbau tausender Stellen im Investmentbanking haben die UBS 2012 tief in die roten Zahlen gedrückt.

Unter dem Strich verbuchte die größte Schweizer Bank einen Jahresverlust von 2,5 Milliarden Franken (zwei Milliarden Euro). "Unsere Strategie ist eine Reise, die wir vor gut etwa einem Jahr begonnen haben und mit dem Umbauplan für das Investmentbanking im Oktober beschleunigt haben", sagte Konzernchef Sergio Ermotti am Dienstag. Damals kündigte er den Rückbau der Investmentbank-Sparte zugunsten der Vermögensverwaltung und der damit einhergehenden Streichung von 10.000 Arbeitsplätzen bis 2015 an. UBS ist weltweit die einzige Großbank, die das häufig mit hohem Risiko behaftete Investmentbanking deutlich zurückfährt.

In der Bilanz konnte UBS im vergangenen Jahr die Risiken um rund ein Drittel abbauen. Parallel dazu stieg die Eigenkapitalquote auf 9,8 Prozent. Damit hat die größte Schweizer Bank die nach dem Bankenregelwerk Basel III ab 2019 vorgeschriebene Mindestquote von zehn Prozent fast schon erreicht. Das ist aber noch nicht das Ende. Denn bis Ende 2014 soll die Eigenkapitalrendite auf 13 Prozent steigen. Dann soll es auch wieder eine substanzielle Dividende geben anstatt der symbolischen 0,15 Franken, die die Aktionäre für 2012 erwarten können. Vielleicht können sich die Anteilseigner schon früher auf eine ordentliche Ausschüttung freuen. "Die Restrukturierung scheint schneller voranzugehen als geplant", lobte ZKB-Analyst Andreas Venditti.

Die Mitarbeiter müssen schon jetzt nicht darben. Ungeachtet des Verlustes wird der Bonuspool lediglich um sieben Prozent auf 2,5 Milliarden Franken reduziert. Die Auszahlungs-Sperrfristen für die Boni sollen aber verlängert werden und sie können wieder verfallen, wenn es der Bank schlecht geht.

VERMÖGENSVERWALTUNG SCHWÄCHELT

Mit 1,89 Milliarden Franken fiel der größte Teil des Jahresverlustes im vierten Quartal an. Im Dezember war UBS zu einer Buße von 1,4 Milliarden Franken wegen ihrer Verwicklungen bei der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor verurteilt worden. Restrukturierungskosten und Verluste auf eigenen Verbindlichkeiten trugen ebenfalls zu dem Fehlbetrag bei.

Der Libor-Skandal nagt am Image der UBS. So brachten reiche Kunden im Schlussquartal weniger neues Geld zu der Bank als in allen anderen Quartalen des vergangenen Jahres. Das Netto-Neugeld im Wealth Management sank im vierten Quartal auf 2,4 Milliarden von 7,7 Milliarden Franken im dritten Quartal. Während reiche Kunden aus Asien und aufstrebenden Ländern ihr Vermögen der Bank anvertrauten, zogen Kunden aus Westeuropa Geld ab. In vielen Fällen hätten sich Steuersünder selbst angezeigt und dann die Rechung aus dem Vermögen bei UBS bezahlt, erklärte Ermotti. Die Bank weise die Kunden darauf hin, dass sie ihre Steuersituation regeln sollten. Der Gewinn der Sparte sank deutlich auf 398 Millionen Franken. Wegen der niedrigen Zinsen und der anhaltenden Unsicherheit hätten reiche Kunden auch weniger gehandelt und hielten Teile ihrer Vermögen auf dem Konto. Im Wealth Management Americas, das die Bank separat verbucht, fiel der Zufluss mit 8,8 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch aus wie im Vorquartal.

Im Investmentbanking sank der Vorsteuerverlust im vierten Quartal auf 557 Millionen von 2,86 Milliarden Franken im dritten Quartal. Die mit der Aufgabe des Anleihenhandels auf eigene Rechnung verbundenen Abschreibungen waren im dritten Quartal verbucht worden. Die Bank verzeichnete im Schlussquartal aber auch einen Ertragsrückgang im Wertpapiergeschäft. Insgesamt sanken die Einnahmen der Sparte um mehr als ein Viertel. Die Belegschaft nahm um gut 1100 oder sieben Prozent auf 15.866 Personen ab. Im ganzen Konzern baute UBS rund 2200 Arbeitsplätze ab und beschäftigt nunmehr noch 62.630 Mitarbeiter.

ERMOTTI BLEIBT VORSICHTIG

Beim Blick auf das laufende Jahr blieb Ermotti gewohnt vorsichtig. Zwar sei 2013 gut angelaufen. "Aber wir können den Januar nicht mal zwölf nehmen", sagte er. Es gebe noch zu viele ungelöste Fragen wie die Euro-Schuldenkrise, die Lage im europäischen Bankensystem und der US-Haushaltsstreit. "Dass die Weltwirtschaft wieder wächst, kann keinesfalls als gesichert gelten", so der Bankchef. Und schließlich seien die Kosten einer zu vorsichtigen Haltung immer tiefer als die Risiken, die mit einem übermäßigen Optimismus verbunden seien, erläuterte Ermotti seine vorsichtige Grundhaltung.

 
Swiss bank UBS CEO Sergio Ermotti addresses the annual news conference in Zurich February 5, 2013. REUTERS/Michael Buholzer (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS)