Deutsche Börse läutet neue Sparrunde ein - Gewinneinbruch

Dienstag, 5. Februar 2013, 16:28 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse läutet wegen der Flaute an den Finanzmärkten eine neue Sparrunde ein.

Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr kündigte Deutschlands größter Börsenbetreiber am Dienstag an, die Kosten bis 2016 um 70 Millionen Euro drücken zu wollen. Mit dem neuen Sparprogramm will das Unternehmen zudem Geld für Investitionen in neue Angebote und die Expansion in Asien freischaufeln.

Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn des Unternehmens um gut ein Fünftel auf rund 660 Millionen Euro. Der Konzern hat damit zu kämpfen, dass sich Investoren wegen der Euro-Schuldenkrise und härterer Auflagen der Aufseher im Handel zurückhalten. Besonders Banken handeln wegen der strengeren Eigenkapitalanforderungen weniger, den Handel auf eigene Rechnung haben viele Institute ganz eingestellt. Auch die New York Stock Exchange (Nyse) kündigte nach einem Umsatzrückgang im vierten Quartal an, die Kosten angesichts des schwierigen Marktumfelds zu senken.

Die Deutsche Börse plant, "die Maßnahmen ohne betriebsbedingte Kündigungen und so sozialverträglich wie möglich umzusetzen". Unternehmenskreisen zufolge können Mitarbeiter im Rahmen des Programms in Frührente gehen, das Unternehmen freiwillig gegen eine Abfindung verlassen oder ihre Arbeitszeit für eine bestimmte Zeit reduzieren. Details werden nun in Gesprächen mit dem Betriebsrat ausgehandelt.

SPARPROGRAMME HABEN TRADITION

Kostensenken hat bei der Deutsche Börse eine lange Tradition. Das letzte, 150 Millionen Euro schwere Sparprogramm, hat das Unternehmen erst vor kurzem abgeschlossen. Am meisten Aufsehen in der Öffentlichkeit erregte die Verlegung der Konzernzentrale von Frankfurt ins benachbarte Eschborn, durch die das Unternehmen Gewerbesteuern spart.

Die nun geplanten Einschnitte werden folglich deutlich geringer ausfallen als bei anderen Unternehmen aus der Finanzbranche. Der Nachbar Deutsche Bank will seine Kosten beispielsweise um 4,5 Milliarden Euro senken, über 2000 Stellen werden gestrichen. Das Sparprogramm der Deutschen Börse falle mit 70 Millionen Euro jedoch etwas größer aus als erwartet, sagte DZ-Bank-Analyst Christoph Bast. An der Börse kam das gut an. Die Aktien des Konzerns gewannen knapp ein Prozent.

Die Deutsche Börse will sich durch das Sparprogramm "notwendige Freiräume" schaffen, um Geld in neue Projekte stecken zu können. Große Hoffnungen setzt Vorstandschef Reto Francioni besonders auf die Abwicklung von außerbörslich gehandelten Derivaten (OTC). Die EU will große Teile des Derivate-Handels ab Ende des Jahres über Clearing-Häuser abwickeln und dadurch die Sicherheit und Transparenz im weltweit rund 700 Billionen Dollar schweren Markt erhöhen. Wegen anstehender Investitionen erwartet die Deutsche Börse einen "moderaten Anstieg der operativen Kosten über die nächsten Jahre". Für das Sparprogramm fallen Einmalbelastungen von 90 bis 120 Millionen Euro an, der Großteil davon im laufenden Jahr.

AUSVERKAUF BEI DER NYSE

Der Leitindex Dax hat 2012 zwar um 29 Prozent zugelegt. Die Umsätze blieben jedoch deutlich hinter den Vorjahreswerten zurück. Bei der Deutschen Börse fielen die Nettoerlöse in der Folge um 14 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen sich für 2012 deshalb mit einer Dividende von 2,10 Euro zufrieden geben, nach 2,30 Euro vor Jahresfrist. Über eventuelle Aktienrückkäufe will der Konzern in Abhängigkeit vom Geschäftsverlauf erst im zweiten Halbjahr entscheiden. Nach Ansicht von Analyst Bast könnte 2013 für die Deutsche Börse besser laufen als das vergangene Jahr. An der Derivate-Börse Eurex - der wichtigsten Sparte des Frankfurter Konzerns - stiegen die Umsätze im Januar um acht Prozent.

Der Wettbewerber Nyse, der deutlich stärker vom schwächelnden Aktien-Handel abhängt, soll demnächst vom US-Konkurrenten ICE geschluckt werden. Der Verkauf solle im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden, sagte Nyse-Chef Duncan Niederauer. Vorher wollen die New Yorker ihren Anteil von fünf Prozent an der indischen Rohstoffbörse MCX ganz oder teilweise verkaufen. Auch ihren Anteil am Handelsplatz BlueNext, an dem CO2-Emissionsrechte gehandelt werden, wollen die Amerikaner loswerden. Nyse-Chef Niederauer hatte zunächst versucht, die Nyse mit der Deutschen Börse zu fusionieren. Dies war vor einem Jahr allerdings am Veto der EU-Kommission gescheitert.