Gründer nimmt Dell mit Mega-Transaktion von der Börse

Dienstag, 5. Februar 2013, 16:46 Uhr
 

New York (Reuters) - Firmengründer Michael Dell will den Computerpionier Dell in einer gigantischen Transaktion von der Börse nehmen.

Der Deal soll mit Hilfe des Softwareriesen Microsoft und des Finanzinvestors Silver Lake gestemmt werden und hat ein Volumen von 24,4 Milliarden Dollar. Michael Dell will damit wieder die Kontrolle über den zuletzt schwächelnden Branchendritten übernehmen. Den bisherigen Aktionären sollen je Anteilsschein 13,65 Dollar geboten werden, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Dell plant das Unternehmen abseits der Börsenöffentlichkeit neu auszurichten und ohne die Aufmerksamkeit der Wall Street mehr Zeit dafür zu haben. Ihm macht die Schwäche auf dem PC-Markt und der wachsende Trend hin zu den flachen Tablet-Computern zu schaffen.

Sowohl Michael Dell, seine Investmentfirma MSD Capital und die Partner würden für die Übernahme Bargeld aufbringen, hinzu kämen Kredite von vier Banken, hieß es. Die Transaktion soll bis Ende Juli über die Bühne gehen. An der Börse fiel die Reaktion verhalten aus, die Dell-Aktie startete nahezu unverändert in den US-Handel.

Seit einiger Zeit schon versucht Dell einen Neuanfang - als Anbieter von renditestarken Dienstleistungen und Computern für Unternehmenskunden. Als Vorbild dient der IT-Gigant IBM, der sein PC-Geschäft einst an Lenovo verkaufte, sich auf Großrechner und IT-Services verlegte und damit erfolgreich ist. Ein solcher Wandel braucht aber Zeit, und auch klassische Hardwarehersteller versuchen auf den Trend aufzuspringen. Für viele Privatkunden sind die Angebote der traditionellen PC-Hersteller ohnehin unattraktiv geworden. Tablets und Smartphones von Apple oder Samsung haben inzwischen deutlich an Popularität gewonnen.

Schon 2010 hatte Michael Dell auf einer Investorenkonferenz erklärt, er habe erwogen, Dell von der Börse zu nehmen. Die Transformation von Dell sei "unvollständig", bedauerte er seinerzeit. Die Aussagen hatten bereits damals Spekulationen über eine Übernahme ausgelöst, allerdings überwogen an der Wall Street die Zweifel, ob ein Deal dieser Größe wegen des immensen Finanzbedarfs machbar wäre.

DELL VERLIERT KONTINUIERLICH AN BODEN

Michael Dell hatte die Firma 1984 in seiner Studentenbude mit 1000 Dollar Startkapital gegründet. Zwanzig Jahre später legte er die Führung des Konzerns in die Hände seines langjährigen Vertrauten Kevin Rollins. Als Umsätze und Serviceeinnahmen schrumpften, kehrte er 2007 an die Spitze zurück. Die ersehnte Trendwende blieb aber weitgehend aus. Dell wurde von der globalen Wirtschaftskrise erfasst, der Siegeszug von Smartphones und Tablets setzte dem Konzern schwer zu.

Der Abschied von der Börse könnte die letzte Chance von Michael Dell werden, sein Lebenswerk zu retten. Der einst weltgrößte PC-Hersteller verliert kontinuierlich an Boden. Im abgelaufenen Quartal schrumpfte dem Marktforscher Gartner zufolge Dells globaler Marktanteil binnen Jahresfrist um weitere zwei Prozentpunkte auf gut ein Zehntel. Der Nettogewinn brach im dritten Quartal um fast die Hälfte auf 475 Millionen Dollar ein. Zudem hat sich ein Schuldenberg von rund 4,5 Milliarden Dollar angehäuft.

Der rückläufige PC-Markt wird vom heimischen Rivalen Hewlett-Packard und Lenovo aus China dominiert. Nach Zahlen des Marktbeobachters IDC war der PC-Absatz über Weihnachten erstmals seit mehr als fünf Jahren rückläufig.

 
Shadows of Michael Dell, chairman of the board and chief executive officer of Dell (Archiv)