Gebeutelte Stahlbranche verspürt langersehnte Trendwende

Mittwoch, 6. Februar 2013, 15:40 Uhr
 

Düsseldorf/Brüssel (Reuters) - Nach einer langen Durststrecke schöpft die gebeutelte Stahlindustrie wieder Hoffnung: Die deutschen Stahlkocher mit Branchengrößen wie ThyssenKrupp und Salzgitter verzeichneten nach einem anderthalbjährigen Schrumpfkurs zum Jahresabschluss 2012 erstmals wieder ein Anziehen der Nachfrage.

Auch der in Luxemburg ansässige Branchenprimus ArcelorMittal wittert nach einem Milliarden-Verlust und Werkschließungen im vergangenen Jahr wieder Morgenluft - vor allem dank des wirtschaftlichen Aufschwungs in China und Brasilien.

STAHLVERBAND: KUNDEN MÜSSEN LAGER FÜLLEN

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl erklärte am Mittwoch, viele Kunden müssten ihre leeren Lager wieder füllen, nachdem sie sich wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten mit Neubestellungen zurückgehalten hätten. Deshalb dürfte der positive Auftragstrend erst einmal anhalten, zeigte sich der deutsche Verband überzeugt.

Von Oktober bis Dezember 2012 kletterten die Bestellungen nach Angaben des Verbands binnen Jahresfrist um ein Prozent auf 9,3 Millionen Tonnen. Verglichen mit dem Vorquartal betrug der Anstieg sogar sieben Prozent. Für Rückenwind sorgten dabei angesichts der noch immer mauen Nachfrage aus dem Inland Bestellungen aus dem Ausland. Im Gesamtjahr erwartet die deutsche Stahlindustrie nach den Einbußen des vergangenen Jahres jedoch bislang nur ein Mini-Wachstum. Nach Schätzungen des Verbandes vom Dezember wird die Rohstahlproduktion lediglich um ein Prozent auf rund 43 Millionen Tonnen steigen.

ARCELORMITTAL ZEIGT SICH OPTIMISTISCH

Auch Weltmarktführer ArcelorMittal zeigte sich wieder zuversichtlicher. Der Einbruch in Europa verlangsame sich und auf den wichtigen Märkten in China und Brasilien springe der Wachstumsmotor wieder an, erklärte der Konzern am Mittwoch.

Die Schuldenkrise in Europa und die Wirtschaftsflaute in China brockten dem Branchenprimus im vergangenen Jahr jedoch noch einen milliardenschweren Verlust ein. Unter dem Strich stand wegen einer Milliarden-Abschreibung auf das Geschäft in Europa ein Minus von 3,73 Milliarden Dollar in den Büchern, nach einem Gewinn von 2,26 Milliarden 2011. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen brach der Gewinn immerhin noch um rund 30 Prozent ein - auf 7,08 Milliarden Dollar, den zweitniedrigsten Wert der Firmengeschichte. Das Kerngeschäft werde jedoch dieses Jahr wieder bessere Ergebnisse liefern, erklärte ArcelorMittal.

Auch ArcelorMittal nimmt bereits klare Anzeichen für eine Trendwende wahr - So hätten die Stahllieferungen zuletzt wieder angezogen. In Europa erwartet ArcelorMittal 2013 nur noch einen Nachfragerückgang um ein Prozent, nachdem diese 2012 noch um knapp neun Prozent eingebrochen war. Der Konzern hatte deshalb schon Hochöfen in Frankreich und Belgien geschlossen. Vor allem in den hochverschuldeten südeuropäischen Staaten steckt die Schwerindustrie in der Krise.

Börsianer zeigten sich erfreut über die Aufhellung der Aussichten in der Branche: Die ArcelorMittal-Aktien legten um drei Prozent zu, die Titel von Salzgitter 1,8 Prozent und die Papiere des Rivalen ThyssenKrupp immerhin noch um 1,3 Prozent.

 
A view of the ArcelorMittal high furnace of Seraing, near Liege January 28, 2013. REUTERS/Yves Herman (BELGIUM - Tags: BUSINESS CIVIL UNREST BUSINESS EMPLOYMENT)