EXKLUSIV: Deutsche Bank beurlaubt im Zinsskandal fünf Händler

Mittwoch, 6. Februar 2013, 16:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bank beurlaubt im Zinsskandal Finanzkreisen zufolge erstmals auch Händler in Frankfurt. Insgesamt seien fünf Mitarbeiter aus dem Geldmarktteam in dieser Woche suspendiert worde, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

"Grund war ein mögliches Fehlverhalten dieser Händler." Sie waren unter anderem an der Festsetzung des in Europa wichtigen Referenzsatzes Euribor beteiligt. Damit hat das größte deutsche Geldhaus im Skandal um die Manipulation von Zinsen nun insgesamt sieben Händler im Verdacht. Zwei waren zuvor bereits entlassen worden. Weltweit wird gegen mehr als ein Dutzend Geldhäuser ermittelt. Die Royal Bank of Scotland muss wegen der Affäre mehr als 600 Millionen Dollar zahlen, wie das teilverstaatlichte Institut am Mittwoch bekannt gab.

Die Beurlaubung der Händler, die keine führenden Positionen hatten, war Ergebnis der noch laufenden internen Untersuchung der Deutschen Bank. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sei informiert worden, sagte ein weiterer Insider. Die Aufseher hatten vergangenes Jahr wegen des Skandals Sonderprüfer in die Zwillingstürme der Deutschen Bank geschickt. Unter anderem musste auch Co-Vorstandschef Anshu Jain aussagen. Er war während der Finanzkrise Investmentbanking-Chef. Der Bericht der BaFin wird in den nächsten Wochen erwartet.

ZAHLREICHE BANKER IM VISIER DER ERMITTLER

Ein Sprecher der Bank nannte keine Namen der betroffenen Händler. Er bekräftigte lediglich, dass das Institut schon früher Mitarbeiter suspendiert oder entlassen habe, sobald ein Fehlverhalten bekannt geworden sei. Das werde auch künftig passieren bis die interne Untersuchung abgeschlossen sei. Er verwies zudem auf die Erklärung des Aufsichtsrats von vergangenen Sommer, in der dieser festgestellt hatte, dass kein Vorstandsmitglied Kenntnisse von Manipulationen gehabt habe.

Zahlreiche Großbanken haben wegen des Skandals schon Händler vor die Tür gesetzt. Bei der Royal Bank of Scotland und bei der britischen Großbank Barclays sind nach Behördenangaben jeweils mehr als 20 Mitarbeiter involviert, bei der Schweizer UBS mehr als ein Dutzend. Die Händler sollen während der Finanzkrise Referenzsätze wie den Euribor oder den Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Zinsen werden einmal am Tag ermittelt und beruhen auf freiwilligen Angaben der Geldhäuser zu ihren Refinanzierungskosten. Die Sätze sind die Basis für Finanztransaktionen rund um den Globus im Volumen von mehreren Hundert Billionen Dollar.

Die RBS ist das dritte Institut, das die Vorwürfe gegen hohe Geldbußen beilegt. Barclays musste bereits knapp eine halbe Milliarde Dollar zahlen, die UBS sogar mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Bei der Deutschen Bank sind Vergleichsverhandlungen im Moment noch kein Thema.

In E-Mails, die am Mittwoch ebenfalls veröffentlicht wurden, machten sich beteiligte Händler lustig, wie leicht es sei, mit dem Libor reich zu werden. "Es ist einfach verblüffend, wie die Libor-Feststellung einem soviel Geld einbringen kann. Es ist jetzt ein Kartell hier in London", schrieb einer der RBS-Händler.

- von Philipp Halstrick

 
The headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank are seen behind a red traffic light in Frankfurt January 30, 2013. Deutsche Bank has appointed two internal executives to head its global commodities business as it restructures and cuts jobs, a source close to the bank said on Wednesday. Deutsche said last month its fourth-quarter profits would be affected by the restructuring aimed at achieving annual cost savings of 4.5 billion euros, but that there was no cause for alarm among investors. Deutsche Bank will announce its annual figures tomorrow. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS)