Unternehmensteile von Hochtief auf dem Prüfstand

Donnerstag, 7. Februar 2013, 11:14 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Bei Hochtief stehen nach der Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS alle Unternehmensteile auf dem Prüfstand.

Entscheidungen zur Zukunft des Konzerns gibt es dabei noch nicht. Diese könnten bis Ende des Monats fallen - dann will der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes seine Strategie vorstellen. Die Analyse der künftigen Strategie sei "noch nicht abgeschlossen", erklärte ein Unternehmenssprecher. "Es gibt daher auch keinerlei Entscheidungen."

Er reagierte damit auf einen Bericht der Zeitungen der WAZ-Gruppe vom Donnerstag, Verdes plane den Verkauf von Geschäftsbereichen mit insgesamt rund 6200 Mitarbeitern. Betroffen seien die Servicesparte innerhalb der Hochtief Solutions AG mit 6000 Beschäftigten und das Geschäft mit der Projektentwicklung mit 200 Angestellten. Hochtief-Aktien legten am Morgen um knapp zwei Prozent zu und notierten bei 48,28 Euro.

Der Hochtief-Aufsichtsrat wollte im Laufe des Tages zusammentreten. Im Umfeld des Arbeitnehmerlagers hieß es, Beschlüsse seien bei der Sitzung nicht zu erwarten. "Gerüchte über eine Entscheidung des Hochtief-Aufsichtsrats über Verkäufe" seien "falsch", unterstrich der Hochtief-Sprecher.

"EIN HARTES STÜCK WEG"

Verdes hatte erst im vergangenen Monat bekräftigt, er werde die neue Konzernstrategie bei der Vorlage der Jahresbilanz am 28. Februar präsentieren. Er durchleuchte jede Einheit und jedes Segment des Konzerns unter den Fragestellungen, wo Hochtief wirklich stark sei, wie viel Kapital für ein Geschäft eingesetzt werden müsse und welche Margen erzielt werden könnten, hatte der ehemalige ACS-Manager gesagt. Aufsichtsrat und Vorstand hatten bei der Amtsübernahme des Spaniers im vergangenen Jahr betont, "eine Zerschlagung oder Filetierung von Hochtief" werde kein Element der neuen Strategie sein. Verdes war damals einstimmig ernannt worden - auch die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hatten sich damit hinter ihn gestellt. Verdes hatte immer wieder betont, er wolle Hochtief auf Profit trimmen. Der Konzern müsse dabei aber noch ein "hartes Stück Weg" zurücklegen. Hochtief hatte 2011 einen Konzernverlust geschrieben und keine Dividende ausgeschüttet.

ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf die Mehrheit an Hochtief mit seinen mehr als 80.000 Mitarbeitern und Auslandstöchtern wie der australischen Leighton gesichert. In der Folge verließen zahlreiche Hochtief-Manager das Unternehmen, in der Belegschaft machten immer wieder Gerüchte um eine Zerschlagung die Runde. Jüngst hatte auch Aufsichtsrätin Christine Wolff das Gremium verlassen. Die Unternehmensberaterin, die erst im Sommer in den Aufsichtsrat eingezogen war, habe sich aus "persönlichen Gründen" zurückgezogen, sagte der Hochtief-Sprecher. Im Aufsichtsrat sind damit derzeit zwei Posten der Kapitalseite vakant: Neben Wolff hatte auch der ehemalige Aufsichtsratschef Manfred Wennemer dem Gremium den Rücken gekehrt. Wennemer hatte zum Jahreswechsel seinen Hut genommen, neuer Aufsichtsratschef ist der ehemalige Deutsche-Börse-Manager Thomas Eichelmann.