Deutsche Industrie stoppt Talfahrt und produziert mehr

Donnerstag, 7. Februar 2013, 17:18 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutsche Industrie hat Ende 2012 ihre Talfahrt gestoppt.

Das produzierende Gewerbe schraubte im Dezember nach vier Rückgängen in Folge seinen Ausstoß wieder um 0,3 Prozent nach oben, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Im Schlussquartal blieb dennoch ein spürbares Minus von 2,9 Prozent zum Sommer. Wegen zuletzt steigender Aufträge und der allgemein besseren Stimmung setzt das Ministerium auf ein absehbares "Ende der Schwächephase". Die deutsche Wirtschaft dürfte auch nach Ansicht von Ökonomen das Schlimmste hinter sich haben. "Es verdichten sich die Vorzeichen, dass die Konjunktur mit dem Jahreswechsel wieder anzieht", sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich.

"REZESSION FÄLLT AUS"

Ende 2012 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit 0,5 Prozent so stark gesunken wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Zuletzt gab es jedoch Signale, dass die Wirtschaft wieder Schwung aufnimmt. "Eine Rezession fällt aus, das erste Quartal wird wieder Wachstum bringen", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Wenn jetzt kein gewaltiges Störfeuer aus Italien oder Spanien kommt, dann wird es mit der Konjunktur in diesem Jahr in ruhigen Bahnen aufwärtsgehen", betonte Scheuerle und fügte warnend hinzu: "Es steht und fällt aber alles mit der Schuldenkrise."

Eine starke Nachfrage vor allem aus der Euro-Zone hatte den Industriebetrieben im Dezember ein Auftragsplus von 0,8 Prozent beschert. Zuletzt hatten verschiedene Konjunktur-Barometer eine Erholung der Wirtschaft in Deutschland und in den meisten Euro-Ländern - außer Sorgenkind Frankreich - signalisiert. Bundesbank und Bundesregierung erwarten 2013 zwar nur einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent, andere Ökonomen sind aber zuversichtlicher und erwarten vor allem ab Mitte des Jahres mehr Schwung.

INDUSTRIE MIT SPÜRBAREM PLUS - BAU BREMST

Die Industrie fuhr ihre Produktion nach einer Stagnation im November zum Jahresende um 1,2 Prozent hoch. Die Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen fertigten im Dezember 1,9 Prozent mehr. Die Konsumgüterbranche stellte 3,9 Prozent mehr her. Die Erzeugung von Vorleistungsgütern wie Stahl und Chemikalien sank hingegen um 0,7 Prozent. Die Bauproduktion fiel kräftig um 8,9 Prozent, während die Energieproduktion um 3,4 Prozent zurückging.

 
A worker controls the production of steering gears at a plant of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG in the western city of Muelheim January 16, 2013.REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS INDUSTRIAL)