Investmentbanking lohnte sich für Credit Suisse

Donnerstag, 7. Februar 2013, 14:08 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Für die Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) hat sich das Festhalten am riskanten Investmentbanking im vergangenen Jahr ausgezahlt.

Der von der Geldschwemme der Notenbanken befeuerte internationale Anleihehandel verhalf dem zweitgrößten Schweizer Geldhaus im Jahr 2012 zu einem Milliardengewinn in dem seit der Finanzkrise umstrittenen Geschäftsfeld. Während der Lokalrivale UBS dieses Geschäft mit Verlust zurückfuhr und auch die Deutsche Bank dort Altlasten bereinigen musste, schaffte die zweitgrößte Schweizer Bank in der Sparte einen Vorsteuergewinn von rund zwei Milliarden Franken. Der Konzerngewinn sank allerdings stärker als erwartet um rund ein Viertel auf 1,48 Milliarden Franken (1,2 Milliarden Euro).

Der CS-Vorstandschef und gelernte Investmentbanker Brady Dougan, der viel Kritik einstecken musste, weil er im Gegensatz zu UBS am Kapitalmarktgeschäft festhielt, sah sich durch die Zahlen bestätigt. "Wir haben ein kapitaleffizientes Investmentbanking-Geschäft aufgebaut, das sich auf margenstarke Geschäftsbereiche konzentriert", erklärte er am Donnerstag bei der Vorlage des Jahresabschlusses. Dass die Investmentbank-Sparte im vierten Quartal bereits wieder Schwung verlor, sei saisonalen Faktoren geschuldet. "Die Ertragsentwicklung zum Jahresauftakt 2013 war erfreulich, vergleichbar mit den Vorjahren", sagte der Konzernchef. Das Quartalsergebnis im Investmentbanking sei etwas enttäuschend, sagte Kepler-Analyst Dirk Becker. "Aber es ist immer noch das beste Resultat der europäischen Investmentbanken".

Belastet wurde der Konzern-Jahresgewinn für 2012 durch bilanziell bedingte Bewertungsverluste für die Verbindlichkeiten der Bank. Der Marktwert der CS-Schulden nahm zu, was die Bank rund 2,3 Milliarden Franken Gewinn kostete. Der bereinigte Gewinn verdoppelte sich auf knapp 3,56 Milliarden Franken. "Das bereinigte Ergebnis ist solide", so der ZKB-Analyst Andreas Venditti. Trotzdem will Dougan den Sparkurs verschärfen. Die Kosten sollen bis 2015 um 4,4 Milliarden im Jahr reduziert werden, anstatt der bisher angepeilten vier Milliarden. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, ließ Dougan offen. Im vergangenen Jahr baute die Bank 2300 Stellen ab, davon 900 im Investmentbanking. Wie die Boni dieses Jahr ausfallen, wollte der Konzernchef noch nicht sagen. UBS, die einen Jahresverlust von 1,9 Milliarden Franken einfuhr, kürzte ihren Bonus-Pool um sieben Prozent.

STEUER-PROBLEME BREMSEN VERMÖGENSVERWALTUNG Der Druck europäischer Länder auf Steuersünder hinterließ wie bei UBS Spuren im Vermögensverwaltungsgeschäft. Reiche Kunden aus Westeuropa zogen über das Jahr 6,9 Milliarden Franken ab. Neues Geld kam weiterhin aus aufstrebenden Ländern - und von superreichen Anlegern. Doch der Geldstrom wurde dünner: Der Netto-Neugeldzufluss schrumpfte im Konzern um rund 50 Prozent auf 19 Milliarden Franken. Im Wealth Management der UBS stieg der Neugeldzufluss dagegen um mehr als zehn Prozent.

Noch offen ist der Ausgang des Steuerstreits mit den USA. Die amerikanischen Behörden werfen Credit Suisse vor, reichen US-Bürgern bei der Hinterziehung von Steuern geholfen zu haben. Die Bank stellte für diese Sache bereits 325 Millionen Dollar zurück - nach Ansicht der Vontobel-Analystin Teresa Nielsen besteht das Risiko, dass das nicht genügt. Im Libor-Skandal, der UBS eine Busse von rund 1,4 Milliarden Franken einbrockte, rechnet Credit Suisse nicht mit größeren Belastungen.

BILANZRISIKEN ABGEBAUT

Wie UBS baute auch Credit Suisse die Bilanzrisiken ab, um sich auf die schärferen Eigenkapitalvorschriften des neuen Banken-Regelwerks Basel III einzustellen. Mit Risiken von 293 Milliarden Franken kam die Bank nahe an das für Ende 2013 angepeilte Ziel von unter 280 Milliarden Franken heran. Die Eigenkapitalquote auf Basis der in Zukunft geltenden Vorschriften erreichte 9,4 Prozent. Die für Ende 2018 gesetzte Zielvorgabe von zehn Prozent will die Bank bereits Mitte dieses Jahres übertreffen. "In einer Branche, die noch vor umfangreichen Restrukturierungen steht, haben wir den Umbau abgeschlossen. Wir haben jetzt ein Geschäftsmodell, das stabil, hochrentabel und dem neuen regulatorischen Umfeld angepasst ist", sagte Dougan.

Die Bank habe in der Tat Bilanzrisiken reduziert und die Kapitalausstattung verbessert, erklärte der Analyst Rainer Skierka von Bank Sarasin. Das Festhalten am Investmentbanking bringe aber größere Schwankungen bei Einnahmen und Gewinn mit sich.

 
Credit Suisse logo on a cash machine is seen outside a Credit Suisse office building in Guemligen near Bern February 7, 2013.