Rekordjahr für Deutschlands Außenhandel

Freitag, 8. Februar 2013, 15:20 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Deutschlands Exportwirtschaft verkauft trotz Euro-Schuldenkrise so viel ins Ausland wie nie zuvor.

2012 setzten die Unternehmen Waren "Made in Germany" im Wert von 1,097 Billionen Euro ab - 3,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "2012 haben wir uns in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld gut behauptet", sagte Jens Nagel, Außenhandelsexperte beim Branchenverband BGA. "2013 rechnen wir damit, dass es noch einmal etwas besser wird." Vor allem das Geschäft mit Ländern außerhalb des Euro-Raums läuft gut. Innerhalb der Währungszone sieht es dagegen schlechter aus.

Die Exporte in die Euro-Länder sanken 2012 um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag weiter mitteilte. Zugleich importierten deutsche Unternehmen 0,7 Prozent mehr aus dem Währungsraum. Der Abbau von Ungleichgewichten sei damit vorangekommen, sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Deutschland hilft den Partnern in der Euro-Zone." Besser lief es dagegen im Rest der Welt. "Dass die Exporte auf Jahressicht dennoch einen neuen Rekordwert erreicht haben, geht ausschließlich auf das Konto der Länder außerhalb Europas", sagte der Außenwirtschaftsexperte des Industrieverbands BDI, Oliver Wieck.

FIRMEN SETZEN ZUNEHMEND AUF WEIT ENTFERNTE KÄUFER

In Drittländer wie die USA oder China verkauften Deutschlands Exporteure 8,8 Prozent mehr als 2011. Auch im neuen Jahr setzen die Firmen auf andere Weltregionen. "Der Trend, dass die Länder der Euro-Zone an Bedeutung verlieren und der Rest der Welt gewinnt, geht weiter", sagte Nagel. Der BGA rechnet für 2013 mit einem etwas stärkeren Exportwachstum von bis zu fünf Prozent. "Nach vorne blickend hellt sich der Himmel auf", sagte Deka-Bank-Experte Andreas Scheuerle. Die weltweiten Frühindikatoren hätten sich merklich verbessert und ließen auf wieder bessere Exportgeschäfte hoffen. Hoffnungen setzt die Industrie unter anderem auf ein Freihandelsabkommen mit den USA, das Thema beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist und in den Entwurf der Abschlusserklärung aufgenommen wurde.

Eine Belebung des Außenhandels in China signalisiert derzeit ein Anziehen der Wirtschaft und auch in den USA stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Jedoch auch aus der Euro-Zone kamen zuletzt wieder mehr Aufträge für Deutschlands Industriebetriebe. Zudem hatten verschiedene Konjunktur-Barometer eine Erholung der Wirtschaft in Deutschland und den meisten Euro-Ländern - außer Sorgenkind Frankreich - signalisiert. Bundesbank und Bundesregierung erwarten 2013 zwar nur einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent, andere Ökonomen sind aber zuversichtlicher und erwarten vor allem ab Mitte des Jahres mehr Schwung.

DÄMPFER ZUM JAHRESENDE

Zum Jahresende erhielt der Außenhandel jedoch einen Dämpfer: Im Dezember stiegen die Ausfuhren verglichen mit dem Vormonat preis- und saisonbereinigt lediglich um 0,3 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen einen Anstieg um 1,3 Prozent erwartet. Die Importe sanken sogar um 1,3 Prozent. Die Daten deuteten darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal stärker gesunken sei als bisher angenommen, sagte Deka-Mann Scheuerle. Schon jetzt geht das Statistische Bundesamt von minus 0,5 Prozent und damit dem stärksten Rückgang seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 aus. "Ich glaube nicht, dass es dabei bleiben wird", sagte Scheuerle. Die Industrieproduktion war in den letzten drei Monaten des Jahres um 2,9 Prozent gesunken, die Umsätze gaben nach.

 
Cars for export stand in a parking area at a shipping terminal in the harbour of the northern German town of Bremerhaven, late October 8, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)