MAN gibt 2013 verloren -"Werden uns nicht kaputtsparen"

Freitag, 8. Februar 2013, 14:26 Uhr
 

München (Reuters) - Der krisengeplagte Lastwagen- und Maschinenbauer MAN hat das laufende Jahr schon abgeschrieben und setzt auf 2014.

"Es kommt auch ein schwieriges Jahr 2013", kündigte Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen am Freitag in München an. "Wir werden hier nicht den Aufschwung sehen." Die Kunden seien verunsichert, der Wettbewerb habe sich verschärft. Der Umsatz der MAN-Gruppe werde 2013 etwas niedriger ausfallen, der operative Gewinn sogar deutlich sinken. 2012 brockte der Absatzschwund auf den großen Lkw-Märkten Europa und Brasilien dem Hersteller einen Gewinnrückgang um 35 Prozent ein. Weil MAN pro Lastwagen erneut weniger verdiente als die Konkurrenz, ist weiter Sparen angesagt.

In Europa ist der Lkw-Markt seit mehr als einem Jahr auf Talfahrt, und wirkliche Besserung ist laut MAN nicht vor 2014 zu erwarten. Vor allem im ersten Halbjahr werde das Geschäft auf dem Heimatkontinent weiter zurückgehen, wo MAN rund 70 Prozent seines Nutzfahrzeuggeschäfts macht. In Brasilien, das im vergangenen Jahr von der Einführung einer neuen Abgasnorm und wirtschaftlicher Schwäche gebeutelt wurde, rechnet der Münchner Hersteller dagegen wieder mit einem Absatzanstieg. Im zweiten Segment Power Engineering, in dem das Geschäft mit Großmotoren und Turbomaschinen gebündelt ist, werden für 2013 ebenfalls Rückgänge erwartet. Der Bau von großen Schiffen, für die MAN Dieselmotoren produziert, sei "nahezu zum Erliegen gekommen", sagte Pachta-Reyhofen.

VORSTAND LEHNT "KAPUTTSPAREN" AB

Um die Rückgänge abzupuffern, hat MAN bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs eingeschlagen. Sowohl in der Produktion als auch in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung sollen die Kosten gesenkt werden, sagte Finanzchef Frank Lutz, wollte aber keine konkrete Summe nennen. "Wir werden nicht die Zukunft von MAN aufs Spiel setzen, indem wir uns kaputtsparen." Es werde weiter investiert, wenn auch weniger. Zudem werden Großprojekte gestoppt oder verzögert; ein geplanter Kleinlaster wird jetzt beispielsweise in Brasilien weiterentwickelt statt in München. Viel Potenzial sieht der Konzern in der Neuausrichtung des Einkaufs unter dem Dach des riesigen VW-Konzerns, zu dem dessen eigenes Nutzfahrzeuggeschäft sowie der schwedische MAN-Rivale Scania gehören. Zwei Drittel bis drei Viertel vom Wert eines Lastwagens entfallen auf Materialkosten, wie Pachta-Reyhofen mit Blick auf Sparmöglichkeiten erläuterte.

Zudem will MAN die Produktion flexibler machen, um sie schneller an niedrigere Bestellzahlen anzupassen. Im - wieder einmal tiefroten - Geschäft mit Bussen wird derzeit verhandelt, wie das Feld künftig strukturell aufgestellt wird. Finanzchef Lutz betonte: "Wir entlassen keine Mitarbeiter, nutzen aber schon die natürliche Fluktuation und besetzen Stellen nicht neu." Wettbewerber wie Daimler oder Scania reagieren mit Jobabbau auf die Krise.

Im Vergleich zur Konkurrenz schnitt MAN im vergangenen Jahr im Nutzfahrzeuggeschäft schlechter ab. Die Rendite schrumpfte auf 3,9 Prozent zusammen. Daimler kam im Truckgeschäft auf 5,5 Prozent, Scania glänzte trotz Rückgängen mit 10,4 Prozent. Den Schweden kommt zugute, dass sie sich auf schwere - und teure - Laster konzentrieren, während MAN auch kleinere Modelle und Sonderfahrzeuge baut. Zudem erzielt Scania einen größeren Absatzanteil in Brasilien, wo Preise und Margen höher sind. Im gesamten MAN-Konzern betrug die Rendite 6,1 Prozent - eigentlich liegt der langfristige Zielwert bei 8,5 Prozent.

Zum Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, mit dem Mehrheitsaktionär VW MAN in Kürze komplett unter seine Fuchtel bringen will, sagte Pachta-Reyhofen, die Verhandlungen stünden noch ganz am Anfang. Der Vorstand wies aber zurück, er zeichne deswegen die Zukunft extra pessimistisch, damit die MAN-Aktie nicht steige und das Geschäft für VW teurer werde. An der Börse lag der MDax-Wert am Freitagnachmittag leicht im Minus.

- von Irene Preisinger

 
Georg Pachta-Reyhofen, CEO of German truck maker MAN SE, addresses the company's annual news conference in Munich February 8, 2013. REUTERS/Michael Dalder (GERMANY - Tags: BUSINESS TRANSPORT)