ThyssenKrupp will in Stahlsparte Kündigungen vermeiden

Samstag, 9. Februar 2013, 14:13 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp will bei dem geplanten Stellenabbau im europäischen Stahlgeschäft auf betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichten.

"Wir gehen davon aus, dass die notwendigen Personalabbau-Maßnahmen sozialverträglich erfolgen", sagte ein Sprecher von ThyssenKrupp Steel Europe am Samstag. Maßnahmen könnten etwa Versetzungen innerhalb des Unternehmens sein. Zudem sollten den Beschäftigten Teilzeitarbeits- oder Aufhebungsverträge angeboten werden. Auch Altersteilzeit oder Arbeitszeitverkürzungen seien möglich. "Dann erwarten wir, dass - sofern diese Maßnahmen in ausreichendem Maße greifen - betriebsbedingte Kündigungen nicht notwendig werden."

Der angeschlagene Konzern hatte am Freitag angekündigt, rund 2000 der 27.600 Stellen im europäischen Stahlgeschäft zu streichen. Darüber hinaus könnten 1800 Jobs durch den Verkauf von Bereichen wegfallen. Damit ist in der Sparte jeder siebte Arbeitsplatz gefährdet. Dem Unternehmenssprecher zufolge hat der Konzern bereits mit den Arbeitnehmervertretern Gespräche über die Umsetzung der Pläne aufgenommen.

Die IG Metall, der Betriebsrat und der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin hatten einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gefordert. "Niemand bei ThyssenKrupp darf arbeitslos werden", hatte der nordrhein-westfälische Landeschef der IG Metall, Knut Giesler, gesagt. "ThyssenKrupp muss in eine tragfähige Zukunft investieren, mit einer nachhaltigen Stahlstrategie." Der IG Metall zufolge werden wohl alle Standorte betroffen sein. Arbeitsplätze sollen auch in der Verwaltung in Duisburg wegfallen.

Der Konzern will durch den Stellenabbau im europäischen Stahlgeschäft die Kosten um rund 500 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2014/2015 drücken. Die Summe ist Teil des Sparziels von rund zwei Milliarden Euro, das Vorstandschef Heinrich Hiesinger im vergangenen Jahr ausgegeben hatte. Der operative Gewinn (Ebit) der Sparte war im Geschäftsjahr 2011/12 auf 188 Millionen Euro eingebrochen, nach 1,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Nun tritt Hiesinger auf die Kostenbremse. Verkaufen könnte er zudem Teilbereiche bei Electrical Steel, vermuteten Insider. Die Sparte unterhält Werke in Bochum und Gelsenkirchen, aber auch in Frankreich, Italien und Indien.

 
Gerhard Cromme, chairman of the supervisory board of German steelmaker ThyssenKrupp AG, gestures as he stands on the podium with Berthold Beitz, 99-year-old chairman of the Alfried Krupp von Bohlen and Halbach Foundation, before the company's annual shareholders meeting in Bochum January 18, 2013. REUTERS/Wolfgang Rattay