G7 erwägen Signal gegen Wechselkurs-Dumping

Montag, 11. Februar 2013, 15:22 Uhr
 

London/Berlin (Reuters) - Die Gruppe der etablierten Industrieländer G7 erwägen angesichts der Ängste vor einem globalen Abwertungswettlauf eine gemeinsame Erklärung gegen politisch gesteuerte Wechselkurse.

Veröffentlicht werden könnte dieses Bekenntnis parallel zum oder am Rande des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Freitag und Samstag in Moskau, hieß es am Montag in G20-Kreisen. Im Entwurf dafür bekennen sich die G7 - das sind neben den USA, Japan und Kanada die EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - zu marktbestimmten Kursen an den Devisenmärkten und wenden sich gegen eine Wechselkurssteuerung durch die Politik.

Die deutsche Regierung bestätigte diese Überlegungen jedoch nicht. Sie wisse davon nichts, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die Bundesregierung hatte wiederholt deutlich gemacht, dass sie - im Gegensatz zu Vorschlägen aus Frankreich und anderen Ländern - bei der Wechselkursbildung auf den Markt setzt.

FURCHT VOR ABWERTUNGSWETTLAUF

Mit einer gemeinsamen Erklärung könnte die G7 ein Signal an die Märkte senden, dass sich ihre Mitgliedsländer nicht über gezieltes Wechselkurs-Dumping auf unfaire Weise wirtschaftliche Vorteile verschaffen wollen. Erst am Wochenende hatte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn die Befürchtung geäußert, es könnte zu einem "Abwertungswettlauf" unter maßgeblichen Währungen kommen. Auslöser dieser Debatte war zuletzt die radikale Lockerung der Fiskal- und Geldpolitik durch die neue japanische Regierung, die den Yen auf Talfahrt geschickt hatte. Dadurch haben stark exportorientierte japanische Firmen wie Toyota Wettbewerbsvorteile am Weltmarkt.

Die Kehrseite der Kursentwicklung beim Yen zeigt sich beim Euro: Der stieg vorübergehend auf 1,37 Dollar. Das sorgte für besorgte Stimmen, etwa beim italienischen Regierungschef Mario Monti, und veranlasste Frankreichs Präsident Francois Hollande dazu, eine aktive Wechselkurspolitik in Europa zur Wahrung der Wirtschaftsinteressen zu fordern. Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi erklärt hatte, er verfolge die Euro-Kursentwicklung aufmerksam und damit den Märkten signalisiert hatte, die Europäische Notenbank könnte gegebenenfalls handeln, fiel der Eurokurs deutlich zurück. Am Montagnachmittag notierte er bei knapp 1,34 Dollar.

FRANKREICH POCHT AUF ENGERE KOOPERATION

Auch beim Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel spielte das Thema Wechselkurse eine Rolle. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici plädierte unmittelbar vor der Sitzung in Brüssel für eine engere Kooperation der-Euro-Länder in diesem Bereich und einen gemeinsamen Ansatz im G20-Rahmen. "Wir werden über Wechselkurse diskutieren", sagte er. Es gehe darum, für stabile Wechselkurse so sorgen, die die fundamentalen wirtschaftlichen Gegebenheiten in den einzelnen Währungsräumen widerspiegelten. "Wechselkurse sollten nicht Gegenstand von Stimmungen oder Spekulationen sein", sagte er.

Der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen wandte sich gegen Forderungen nach einem festen Wechselkurs-Ziel. Für Europas Notenbank gelte: "Wir haben kein Wechselkurs-Ziel, Wechselkurse sollten marktbasiert sein", sagte er dem "Handelsblatt". Diese Debatte dürfe auch nicht von Reformnotwendigkeiten in den Ländern ablenken. Darüber hinaus warnte Asmussen die Notenbanken, sich von der Politik vereinnahmen zu lassen. Einen Währungskrieg dürfe es nicht geben, denn "bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer".