Bilfinger verspricht auch 2013 Gewinnanstieg

Montag, 11. Februar 2013, 16:29 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Nach dem dritten Rekordgewinn in Folge will sich der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger auch von der widrigen Konjunktur nicht aus dem Tritt bringen lassen.

2013 werde sicherlich "kein überschäumendes Jahr", sagte Vorstandschef Roland Koch am Montag bei der Vorlage der vorläufigen Bilanz für das zurückliegende Jahr, für das der Mannheimer Konzern nach einem Anstieg des Überschusses um ein Viertel einen Zuwachs der Basis-Dividende um ein Fünftel versprach. Auch ohne weitere Zukäufe werde Bilfinger bei Gewinn und Umsatz in diesem Jahr weiter zulegen, gab Koch als Marschroute aus.

Zuversichtlich stimme vor allem der sieben Prozent höhere Auftragseingang von 8,35 Milliarden Euro, mit dem die mittlerweile knapp 67.000 Mitarbeiter zählende Belegschaft rechnerisch ein Jahr ausgelastet ist. Damit hält der seit gut eineinhalb Jahren vom früheren hessischen Ministerpräsidenten Koch geführte Konzern Kurs auf seine Ziele, die Bilfinger bis 2016 - mit Hilfe weiterer Zukäufe - in eine neue Dimension katapultieren sollen. Für die geplante Expansion in Nordamerika und Asien hat Bilfinger noch rund 850 Millionen Euro in der Schatulle, die Koch binnen zwei Jahren in gewinnträchtige Zukäufe von Industriedienstleistern stecken will.

Der Akquisitionskurs der vergangenen beiden Jahre zahle sich aus, sagte Koch: Bilfinger habe "erfolgreich akquiriert" und mit den Zukäufen seiner Ertragskraft "ordentlich Schub" verliehen. 2012 blieben vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen 5,4 Prozent der mit den Kunden abgerechneten Leistung von 8,64 Milliarden Euro als Gewinn hängen, im Vorjahr waren es nur 4,7 Prozent gewesen. Der vor allem für Rohrleitungsbau, Kraftwerksumbauten, Immobilienmanagement und komplexe Tiefbau-Projekte bekannte Konzern wachse aber auch aus eigener Kraft, sagte Finanzvorstand Joachim Müller. 2012 habe das organische Wachstum beim operativen Gewinn rund fünf Prozent auf 421 Millionen Euro betragen. Weitere zwölf Prozentpunkte steuerten Beteiligungsverkäufe wie der Teilrückzug aus dem Baugeschäft im korruptionsgeplagten Nigeria bei, das Bilfinger noch weiter zurückfahren will.

KOCH - RISIKOSTRUKTUR VERBESSERT

Durch das gestutzte Baugeschäft und die Expansion im gewinnträchtigeren Dienstleistungsgeschäft sei die Risikostruktur verbessert worden, sagte Koch. Der Schwenk weg vom Bau, der Bilfinger immer wieder den Gewinn verhagelt hatte, war bereits von Kochs Vorgänger eingeleitet worden. Nach dem Verkauf der australischen Bautochter Valemus forcierte Koch diesen Kurs, der Bilfinger mit Hilfe von Zukäufen bis 2016 zu einem Anstieg der Leistung auf elf bis zwölf Milliarden Euro verhelfen soll. Der Überschuss soll dann rund 400 Millionen Euro erreichen. 2012 wurden 275 Millionen Euro verdient, bereinigt um den Sondererlös aus dem Anteilsverkauf in Nigeria waren es 238 Millionen Euro.

Diesen Nettogewinn werde Bilfinger "bei aller Vorsicht" 2013 übertreffen und die Rentabilität weiter steigern, zeigte sich Vorstandschef Koch trotz des "nicht einfachen" Geschäftsumfelds überzeugt. Vor allem bei Kraftwerksmodernisierungen - der Ertragsperle des Konzerns mit einer operativen Marge von 9,3 Prozent - sei die Nachfrage im Ausland trotz einer vorübergehenden Schwäche des Ordereingangs im Schlussquartal 2012 gut.

Die Investoren überzeugte Bilfinger unter anderem mit der Aufstockung der Dividende auf drei Euro je Aktie. Für 2011 war zusätzlich zur Basisdividende von 2,50 Euro ein Bonus von 0,90 Euro für den Buchgewinn aus dem Valemus-Verkauf ausgeschüttet worden. Die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Aktien kletterten gegen den Trend um 2,6 Prozent auf 75,88 Euro. "Wir halten die Jahresziele für erreichbar", schrieben die Analysten von Independent Research an ihre Kunden. Auch die Experten der Commerzbank lobten den Ausblick als "positiv".