Weidmann warnt vor Folgen eines Abwertungswettlaufs

Montag, 11. Februar 2013, 17:37 Uhr
 

Freiburg (Reuters) - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat vor den Folgen eines staatlich betriebenen Wechselkurs-Dumpings gewarnt.

"Versuchen mehr und mehr Länder, die eigene Währung zu drücken, kann dies am Ende in einen Abwertungswettlauf münden, der nur Verlierer kennen wird", mahnte der Bundesbank-Chef am Montag bei einem Auftritt in der Universität Freiburg. Die Wechselkursentwicklung werde bei den geldpolitischen Entscheidungen der EZB selbstverständlich berücksichtigt, falls sie die Preisentwicklung beeinflusse. "Eine Wechselkurspolitik zur gezielten Schwächung des Euro würde aber am Ende auf eine höhere Inflation hinauslaufen", warnte Weidmann laut Redetext.

Auslöser der Debatte über Wechselkurs-Dumping war zuletzt die radikale Lockerung der Geldpolitik in Japan, die den Yen auf Talfahrt geschickt hatte. Dadurch haben exportorientierte japanische Firmen Wettbewerbsvorteile am Weltmarkt.

Der Bundesbankchef verwies zugleich darauf, dass sich die EU-Finanzminister nur in außergewöhnlichen Situationen wie im Falle klarer und dauerhafter Fehlbewertungen des Euro auf "allgemeine Orientierungen für die Wechselkurspolitik" in der Euro-Zone verständigten. Die Diskussion um einen vermeintlich überbewerteten Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung lenke nur von den eigentlichen Herausforderungen ab, sagte Weidmann.

Insbesondere Frankreich beklagt, dass die Euro-Stärke Nachteile für die europäische Wirtschaft habe. Finanzminister Pierre Moscovici will das Thema beim Treffen der Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Moskau ansprechen. Die G7-Gruppe der etablierten Industrieländer erwägt angesichts der Ängste vor einem globalen Abwertungswettlauf auch eine gemeinsame Erklärung gegen politisch gesteuerte Wechselkurse. Veröffentlicht werden könnte diese während des G20-Treffens, hieß es in G20-Kreisen. Im Entwurf dafür bekennen sich die G7 - das sind neben den USA, Japan und Kanada die EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - zu marktbestimmten Kursen an den Devisenmärkten und wenden sich gegen eine Wechselkurssteuerung durch die Politik.