Schwaches Stahlgeschäft lässt Thyssen-Gewinne schmelzen

Dienstag, 12. Februar 2013, 08:28 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Das schwache Stahlgeschäft in Europa macht ThyssenKrupp auch im neuen Geschäftsjahr gehörig zu schaffen.

Der Umsatz sei im ersten Quartal 2012/13 um acht Prozent auf 8,837 Milliarden Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel um 38 Prozent auf 229 Millionen Euro. Im europäischen Stahlgeschäft, in dem Konzernchef Heinrich Hiesinger mehr als 2000 Stellen streichen will, schmolzen die Gewinne zusammen. Gleichwohl bekräftigte Hiesinger die Prognose, wonach das bereinigte Ebit des Konzerns im Gesamtjahr (per Ende September) bei einer Milliarde Euro liegen soll.

ThyssenKrupp hatte für das erste Quartal einen operativen Gewinn von rund 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt. "Wir sind auf gutem Weg, unsere operativen Ziele im Gesamtjahr zu erreichen", sagte Hiesinger, räumte jedoch ein, dass der Konzern mit der heutigen Ertragskraft nicht zufrieden sein könne. Der Auftragseingang im Konzern lag ersten Quartal mit 9,6 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Unter dem Strich verdiente ThyssenKrupp noch 29 Millionen Euro nach 41 Millionen im Vorjahreszeitraum. Hier hatten die Marktexperten mehr erwartet. Im Geschäftsjahr 2011/12 hatte ThyssenKrupp einen Nettoverlust von fünf Milliarden Euro eingefahren.

HIESINGER WILL STELLEN STREICHEN UND KOSTEN SENKEN

Während das Aufzugsgeschäft zulegen konnte, brachen im europäischen Stahlgeschäft die Gewinne wegen der schwachen Nachfrage und gefallener Preise ein. Bei ThyssenKrupp Steel Europe schmolz der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 30 Millionen Euro von 102 Millionen zusammen. Hiesinger will in der europäischen Stahlsparte über 2000 der 27.600 Stellen streichen. Weitere 1800 könnten durch Verkäufe abgebaut werden. Die Marktschwäche macht auch dem Weltmarktführer ArcelorMittal und den deutschen Branchenzweiten Salzgitter zu schaffen.

Der ehemalige Siemens-Manager Hiesinger will binnen drei Jahren zwei Milliarden Euro einsparen. Das verlustreiche amerikanische Stahlgeschäft will er rasch abstoßen. Der Verkaufsprozess verlaufe nach Plan, sagte er. Seit November prüften Interessenten die Bücher, um verbindliche Angebote vorzulegen. Der Konzern sei zuversichtlich, im Laufe des Geschäftsjahres eine Lösung für die Werke in Brasilien und den USA zu finden. "Die Erlöse aus dem Verkauf werden die Netto-Finanzschulden deutlich reduzieren." Erst kürzlich hatte ThyssenKrupp seine Edelstahltochter Inoxum verkauft. Auch dadurch konnten das Unternehmen seine Schulden bis Ende Dezember gegenüber Ende September um 600 Millionen Euro auf 5,2 Milliarden Euro abbauen.

 
CEO of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG Heinrich Hiesinger poses during the annual news conference at their headquarters in Essen December11, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS INDUSTRIAL)