Finmeccanica-Chef wegen Korruptionsverdacht in Haft

Dienstag, 12. Februar 2013, 11:21 Uhr
 

Mailand (Reuters) - Italiens Polizei hat den Chef des Rüstungskonzerns Finmeccanica wegen Korruptionsverdachts festgenommen.

Giuseppe Orsi sei im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verkaufs von Helikoptern an die indische Regierung festgesetzt worden, verlautete am Dienstag aus Justizkreisen. Zudem sei ein Bürogebäude in Mailand durchsucht worden. Ministerpräsident Mario Monti reagierte umgehend und kündigte an, die italienische Regierung werde sich sofort mit den Führungsproblemen auseinandersetzen. Der Konzern gehört zu etwa 30 Prozent dem italienischen Staat.

Finmeccanica stellte sich an die Seite des Chefs und drückte die Hoffnung aus, dass dessen rechtliche Position so schnell wie möglich klargestellt wird. Der Eurocopter-Konkurrent versicherte, das Geschäft werde normal weitergeführt.

Die Aktie kam trotzdem unter die Räder und brach um mehr als acht Prozent ein. Aus Indiens Verteidigungsministerium verlautete, man werde gegen Finmeccanica vorgehen, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. Dazu könnten Strafen gehören oder die Aufnahme in eine schwarze Liste.

Justizkreisen zufolge geht es bei den Ermittlungen um mutmaßliche Bestechungszahlungen, mit denen Finmeccanica sicherstellen wollte, dass der Verkauf von zwölf AgustaWestland-Maschinen über die Bühne geht. Zum Zeitpunkt des Geschäfts leitete Orsi das Helikopter-Geschäft von Finmeccanica. Er wehrt sich gegen jegliche Vorwürfe. Die Ernennung zum Vorstandschef im Mai 2011 wurde von der Liga Nord, dem damaligen Verbündeten des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, unterstützt. Aus Kreisen verlautete ebenfalls, dass der Chef der Unternehmenssparte AgustaWestland, Bruno Spagnolini, sowie zwei weitere Manager unter Hausarrest gestellt wurden.

In Italien wird am 24. und 25. Februar ein neues Parlament gewählt. Im Wahlkampf rücken die Skandale, die die Geschäftswelt des Mittelmeerlandes seit einiger Zeit erschüttern, immer stärker in den Vordergrund. Finmeccanica kann nun in einem Atemzug mit dem Geldhaus Banca Monte dei Paschi sowie dem Öldienstleister Saipem genannt werden.

Neben dem jüngsten Skandal kämpft Finmeccanica mit weitreichenden wirtschaftlichen Problemen. Der Konzern sitzt auf einem Schuldenberg von fast fünf Milliarden Euro. Um Verbindlichkeiten abzubauen, hat das Konglomerat sein Energie- und Transportgeschäft zum Verkauf gestellt. Bisher ist allerdings nur ein Minderheitsanteil am Luftfahrt-Geschäft der italienischen Avio veräußert worden. Dies brachte 260 Millionen Euro ein, womit Finmeccanica seine eigenen Ziele deutlich verfehlte. Jüngst stufte S&P die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf Ramsch herab.

 
The headquarters of Italian defence and aerospace company Finmeccanica is seen in Rome May 3, 2012.