Staatsanwälte ermitteln gegen alle Porsche-Aufseher

Dienstag, 12. Februar 2013, 11:43 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart weitet ihre jahrelangen Ermittlungen gegen Führungskräfte der Porsche Holding massiv aus.

"Es gibt ein Ermittlungsverfahren gegen alle Mitglieder des Aufsichtsrates der Porsche Holding wegen Beihilfe zur Marktmanipulation", sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag in Stuttgart. Damit nimmt die Justiz nun auch die Porsche-Großaktionäre Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche sowie den Betriebsratschef Uwe Hück ins Visier. Zudem werde im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von VW ebenfalls wegen Beihilfe noch gegen einen weiteren Porsche-Mitarbeiter ermittelt, dessen Namen der Behördensprecher nicht mitteilen wollte. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten Reuters, dabei handele es sich um den früheren Konzernsprecher Anton Hunger. Weitere Details zum Ermittlungsstand und zu den Vorwürfen wollte der Sprecher nicht machen.

Die Stuttgarter Strafverfolger gehen seit 2009 dem Verdacht nach, dass die Porsche Holding in dem Übernahmepoker mit VW im Jahr 2008 mehrfach falsche Angaben über den Beteiligungserwerb und ihre Beherrschungsabsichten gemacht hat. Gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand Holger Härter haben die Stuttgarter Strafverfolger im Dezember 2012 vor dem Landgericht Stuttgart bereits Anklage erhoben, über deren Zulassung aber noch nicht entschieden ist.

Die beiden Topmanager haben nach Unternehmensangaben stets mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Piech gehandelt, der dem zwölfköpfigen Aufsichtsgremium der Porsche Holding ebenfalls angehört. Im März läuft eine fünfjährige Verjährungsfrist für die angeblichen Marktmanipulationen ab: Durch falsche Angaben oder das Verschweigen von Informationen soll Porsche den Finanzmarkt über die eigenen Pläne bei VW getäuscht haben und damit letztlich einen Kurssprung bei VW-Aktien herbeigeführt haben, mit dem viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Einige von ihnen haben Klage eingereicht und verlangen von der Porsche Holding und VW Schadenersatz von mehreren Milliarden-Euro.

Nach dem Scheitern des Übernahmeversuchs im Zuge der sich zuspitzenden Finanzkrise drehte VW Mitte 2009 den Spieß umgedreht und stieg ins Porsche-Fahrzeuggeschäft ein. Der Stuttgarter Sportwagenbauer gehört inzwischen als zwölfte Marke ganz zu Volkswagen. Die von den Familien Porsche und Piech sowie dem Emirat Katar kontrollierte börsennotierte Porsche Holding hält gut die Hälfte der VW-Stimmrechte und ist damit der bestimmende Aktionär beim größten europäischen Autokonzern.